Handys sind in Prüfungen verboten: auch wegen Betrugsversuchen mit KI. © Getty
München – Die Künstliche Intelligenz schafft neue Betrugsmöglichkeiten bei Abschlussprüfungen. Viele Schulen reagieren bereits darauf – mit verstärkten Kontrollen und Prävention. Dem Kultusministerium liegen keine Daten zur Anzahl von Täuschungsversuchen oder zu Polizeieinsätzen bei Verdachtsfällen im Zusammenhang mit KI vor. Der Philologenverband spricht noch von Einzelfällen. Dennoch wollen die Schulen Betrugsversuche schärfer bestrafen. Wer beim Schummeln erwischt wird, dem drohen null Punkte – und damit das Durchfallen bei den Abiturprüfungen.
Andrea Hafner, die Schulleiterin des Korbinian-Aigner-Gymnasiums in Erding, betont, sie wolle ihre Schüler nicht unter Generalverdacht stellen. „Schummeln ist aber viel leichter geworden mit KI“, sagt sie. Seit etwa anderthalb Jahren verwenden ihre Schüler KI im Schulalltag, berichtet sie. „Das fordert uns heraus. Die Künstliche Intelligenz ist Segen und Fluch zugleich.“
Während der Abi-Prüfungen gelten an ihrer Schule deshalb strenge Regeln: Lange Haare müssen zusammengebunden werden – um zu verhindern, dass Schüler verbotenerweise Kopfhörer in den Ohren haben. Auch Kopfbedeckungen sind verboten – außer sie werden aus religiösen Gründen getragen. Außerdem ist das Tragen von Hoodies und Jacken während der Abiturprüfung nicht gestattet. „Bei uns müssen Schüler außerdem ihre Handys abgeben und die Taschen dürfen nicht am Tisch sein während der Prüfung“, sagt Hafner. Taschenrechner seien aber erlaubt. „Denn die werden fürs Mathe-Abi gebraucht.“ Andere Schulen seien sogar noch strenger, berichtet sie.
Das Kultusministerium setzt vor allem auf Information. Smartwatches, Kopfhörer, Smartbrillen, KI-Stifte, KI-Ringe und KI-Pins seien unerlaubte Hilfsmittel bei Prüfungen. Lehrkräfte dürfen aber nur kontrollieren, was sichtbar ist. Kontrollen der Schüler oder ihrer Taschen seien nicht erlaubt. Bei einem begründeten Verdacht ist es in Einzelfällen möglich, die Polizei einzuschalten.
Eine „enorme Dynamik durch KI“ habe sich erst in den vergangenen zwei Jahren entwickelt, sagt Michael Schwägerl, Vorsitzender des Bayerischen Philologenverbandes. „Die zunehmende technische Raffinesse wirft die Frage auf, ob eine Leistung von einem Schüler stammt oder KI im Spiel war.“ Dass Schüler bei Prüfungen technische Hilfsmittel oder die KI nutzen, um zu schummeln, sei ein reales Problem, das mit Sorge beobachtet werde. An den meisten Schulen seien Vorfälle bekannt, insbesondere durch Zweithandys oder die Nutzung von Smartwatches. Schwägerl betont aber, dass es sich meist um Einzelfälle handle: „Die erzeugen aber eine dauerhafte Unsicherheit.“ Die Herausforderungen für Lehrkräfte wachsen. Ziel sei eine angemessene Aufsicht – ohne Misstrauen. Ein Betrugsfall bei den diesjährigen Abiturprüfungen ist dem Philologenverband nicht bekannt.
In Lernsituationen kann die Künstliche Intelligenz für die Schüler allerdings hilfreich sein. Deshalb läuft in Bayern aktuell ein Schulversuch „Proof“. 16 Schulen erproben drei Jahre lang, wie sich Schüler mithilfe von KI individueller und besser fördern lassen und wie gleichzeitig Lehrer bei Prüfungen entlastet werden können. KI kann beispielsweise als Vorkorrektur zum Einsatz kommen. Damit lässt sich beurteilen, wie sprachlich und inhaltlich richtig die Arbeiten sind. Außerdem soll „Proof“ Schülern mit Lerndefiziten passgenaue Förderangebote bieten.