„Ein unfassbarer Verlust“

von Redaktion

Flugzeug-Absturz: Große Trauer um Klinik-Chef und seinen Piloten

Pilot Martin H. wurde 60 Jahre alt. © Privat

Klinik-Chef Rainer Salfeld starb mit 66 Jahren. © Artemed

Das Technische Hilfswerk Ludwigshafen birgt das Wrack mit einem Kran. © THW

München – Es ist Sonntagabend, 21.42 Uhr, als die Schreckensnachricht an alle Mitarbeiter der Artemed SE verschickt wird: „Noch immer fassungslos müssen wir Ihnen heute die tragische Mitteilung machen, dass unser geschäftsführender Direktor und Gründer Prof. Rainer Salfeld am gestrigen Samstag im Zuge eines tragischen Flugunglücks ums Leben gekommen ist.“ Der 66-Jährige saß in der Maschine, die in Rheinland-Pfalz abgestürzt war. Mit dem Klinik-Chef aus Pöcking (Kreis Starnberg) starb auch sein Pilot und langjähriger Wegbegleiter Martin H. (60).

Die Artemed SE hat ihren Sitz in Tutzing und betreibt Akut- und Fachkliniken, etwa in Dießen, Feldafing, Tutzing, Berg, München und Augsburg. Zur Gruppe mit einem Jahresumsatz von einer Milliarde Euro gehören 19 Krankenhäuser mit 10.000 Mitarbeitern bundesweit. „Nicht zuletzt dank Rainer Salfelds Weitblick steht die Artemed Gruppe mit ihrer klaren Führungsstruktur weiterhin auf stabilen Beinen“, heißt es in der Mail. „Dennoch ist dies ein unfassbarer Verlust, der uns alle schockiert zurücklässt.“

Salfeld war Jurist und begann seine Karriere bei McKinsey. 1990 gründete er mit seinem Vater die erste Artemed Klinik in Bad Oeynhausen und legte so den Grundstein für die heutige Gruppe. Die formte er „mit Weitblick, Innovationskraft und großem persönlichen Engagement“, teilte Artemed mit. Salfeld war auch Lehrbeauftragter der Uni Augsburg, 2004 wurde er Honorarprofessor. Er galt als erfahrener Pilot: „Wer Rainer Salfeld kannte, kannte auch seine Liebe zur Fliegerei.“

Der Tutzinger Bürgermeister Ludwig Horn sagt: „Wir sind sehr bestürzt, unser volles Mitgefühl gilt der Familie.“ Salfeld, der drei Kinder und eine Frau hinterlässt, sei ein Vollblutunternehmer gewesen, der sich eng mit der Gemeinde verbunden fühlte. Erst kürzlich habe Horn Artemed um finanzielle Hilfe für die Fischerhochzeit gebeten: „Wir wurden sofort mit offenen Armen empfangen.“

Auch in der Heimat des Piloten ist die Betroffenheit groß. Martin H. stammt aus Moosach im Kreis Ebersberg. Dort kennt ihn jeder, er ist hier aufgewachsen. „Ich habe bereits in der vierten Klasse Aufsätze darüber geschrieben, Pilot zu werden“, das berichtete er Anfang Mai in einem Beitrag für die Bundeswehr. Seine Mutter habe die Aufsätze heute noch. Nach seinem Wehrdienst schlägt er die Offizierslaufbahn ein, er studiert Luft- und Raumfahrttechnik. In seiner Freizeit absolviert er eine Flugausbildung, wechselt zur Wehrtechnischen Dienststelle WTD 61 in Manching. Später wird er Staffelkapitän im Lufttransportgeschwader LTG 61 in Landsberg.

Nach 13 Jahren verlässt der Hauptmann a.D. die Bundeswehr, er geht zum Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen. Als Expeditionspilot fliegt er für viele Monate in die Antarktis oder die Arktis. „Für die Kinder brachte ich immer eine Expeditionskiste voller Mitbringsel mit, von Pinguinfedern bis Sandproben“, schreibt er in dem Beitrag. Zuletzt arbeitete er als Testpilot für verschiedene Luftfahrtunternehmen. Bei der Artemed Aviation Beteiligungs GmbH war er Geschäftsführer.

Am Samstag steuert der Pilot die historische Propellermaschine des Typs North American Aviation T-28 Trojan, der im Vietnam-Krieg zum Einsatz kam, von Aachen nach Oberpfaffenhofen. Gegen 11.30 Uhr, nach 225 Kilometern, stürzte das Flugzeug aus etwa drei Kilometern Höhe ab. Die Trümmer landeten im Garten eines Wohnhauses. Seit dem Absturz sind Kriminalpolizei und Experten der Zentrale der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) vor Ort. Zeugen wurden befragt, Videos gesichtet, allerdings waren laut Polizei aufgrund des Regens wenig Menschen unterwegs. Auch Flugrouten und Handydaten werden ausgewertet. Die Trümmerteile werden zur weiteren Untersuchung in die BFU in Braunschweig gebracht. Den Abschlussbericht gibt es frühestens nach einem Jahr. In einem Beitrag des österreichischen Luftfahrtmagazins Austrian Wings wird spekuliert, dass der Motor zum Zeitpunkt des Absturzes nicht mehr oder nur mit geringer Leistung lief. Ein Indiz dafür sei, dass die Blätter des Dreiblatt-Propellers kaum verbogen seien.

Martin H. wollte am Samstag zu seiner Mutter, sie feierte ihren 89. Geburtstag. Den ganzen Tag über fragte die Seniorin: „Wo bleibt denn der Martin?“ Unter seinem Beitrag für die Bundeswehr bei Instagram schreibt einer: „Fly in Peace Martin.“ Flieg in Frieden.C. ZIMNIOK, M. ACKER

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