DAS PORTRÄT

Ruhiges Zuhören als Lebensaufgabe

von Redaktion

Detlev Ebert aus Dachau. © bsm

Es ist still an diesem Morgen in Dachau. Detlev Ebert sitzt am Tisch, vor ihm eine Teetasse aus Porzellan von Rosenthal, ein Geschenk vom Ministerpräsidenten. Markus Söder hat ihm kürzlich das Ehrenzeichen für 53 Jahre ehrenamtliche Arbeit in der Telefonseelsorge verliehen. Ebert wirkt etwas müde, aber aufmerksam. Vergangene Nacht hatte er Dienst, drei Nächte im Monat gehören für ihn noch immer zum Alltag. Neben den Schichten am Telefon in einem evangelischen Beratungszentrum arbeitet er seit mehr als zehn Jahren zusätzlich in der Mailseelsorge. Sein Weg dorthin begann im Berufsleben. Als Beamter im Sozialreferat der Stadt München merkte der gebürtige Berliner, dass ihm der direkte Kontakt zu Menschen fehlte. Die Telefonseelsorge wurde für ihn zu einem Ort, an dem genau dieser Kontakt möglich ist. Die Gespräche, die er führt, bleiben anonym. Sie entstehen am Telefon oder per Mail, oft in Momenten großer Belastung. Ebert beschreibt die Situation vieler Anrufender: „Die Menschen befinden sich im Kreisverkehr ihres Lebens und sehen die Ausfahrt nicht.“ Es gehe in diesen Gesprächen selten um klar abgegrenzte Probleme. Häufig seien es diffuse Belastungen, Einsamkeit oder innere Unruhe. Viele Menschen seien zwar medizinisch versorgt, doch die Themen, die sie belasten, blieben bestehen. Die Telefonseelsorge bietet dabei einen geschützten Rahmen. Die Anrufenden bleiben anonym, sprechen aber oft sehr offen. Für manche wird dieses Gespräch zu einer wichtigen Entlastung, manchmal sogar zu einer letzten Möglichkeit, sich mitzuteilen.

Ebert betont, wie wichtig es ist, in solchen Momenten präsent zu sein. Regelmäßige Fortbildungen, Supervision und der Austausch mit Fachleuten gehören für ihn selbstverständlich dazu. Auch die eigene Stabilität spielt eine große Rolle. Warum er nach so vielen Jahren nicht aufhört, beantwortet er ruhig und mit einer Gegenfrage: „Warum sollte man etwas aufgeben, das im eigenen Leben bestens integriert ist?“ Er lebt seit 2004 mit seiner Frau in Dachau, seine Kinder wohnen in Norddeutschland. Eberts Verständnis von Ehrenamt ist schlicht: „Das Bewundernswerte ist die Bereitschaft, die eigene Zeit zur Verfügung zu stellen“, sagt er. Mehr brauche es aus seiner Sicht nicht, um für andere Menschen da zu sein. Und so bleibt er auch weiterhin erreichbar – auch nachts, wenn andere schlafen. Am anderen Ende der Leitung, wenn jemand nicht mehr weiterweiß.BIRGIT SCHNELL-MUCKEL

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