Bornavirus: Schon wieder ein Fall

von Redaktion

Erdinger verstorben, 79-Jähriger in der Oberpfalz erkrankt – Bayern besonders betroffen

Die Feldspitzmaus ist in ganz Bayern verbreitet. © Smilla72!

München – Sie ist klein, pelzig und hat eine spitze Nase – so harmlos die Feldspitzmaus aussieht, so gefährlich kann sie sein. Denn oft trägt das Tier das tödliche Bornavirus in sich. Steckt sich ein Mensch an, endet die darauffolgende Gehirnentzündung meist tödlich. Jetzt ist erneut ein Patient verstorben – der Fall aus dem Kreis Erding war im März bekannt geworden. Und im Landkreis Regen ist aktuell ein 79-jähriger Mensch am Bornavirus erkrankt. Er ist in intensivmedizinischer Behandlung. Näheres ist nicht bekannt.

Damit steigt die Zahl der Fälle in ganz Deutschland für dieses Jahr auf fünf. Vier davon wurden in Bayern registriert. Anfang Mai gab es einen Fall in Augsburg, Ende April im Raum Bad Wörishofen sowie zuletzt im Landkreis Erding und im Landkreis Regen. Ist das ein Grund zur Beunruhigung? „Wir haben dieses Jahr bisher etwas mehr Fälle als in vergleichbaren Vorjahreszeiträumen“, sagt Merle Böhmer. Die Epidemologin arbeitet für das Landesamt für Gesundheit und forscht mit Kollegen vom Friedrich-Loeffler-Institut und dem Universitätsklinikum Regensburg zum Bornavirus. Im Vorjahr wurden insgesamt fünf Fälle gezählt, 2024 nur zwei. Die meisten Infektionen, nämlich acht, gab es bislang 2021. Die Schwankung sei nicht ungewöhnlich, man wisse aus älteren Aufzeichnungen, dass es auch früher „starke und weniger starke Jahre gab“. Erstmals wurde das Bornavirus bereits 1813 beschrieben – als Pferdekrankheit. Erst 2018 wurde nachgewiesen, dass BoDV-1, so die wissenschaftliche Bezeichnung, auf den Menschen übertragbar ist.

Dass Bayern stärker betroffen ist als andere Bundesländer, erklärt Merle Böhmer damit, dass die Feldspitzmaus im ganzen Freistaat – bis auf wenige Flecken auf der Landkarte – verbreitet ist. In Westdeutschland habe eine andere Art die Feldspitzmaus verdrängt, die als Hauptüberträgerin des Virus gilt. In Bayern sei zudem das Bewusstsein für die Gefahr in den vergangenen Jahren gewachsen. Die Krankheit ist erst seit 2020 meldepflichtig – man geht davon aus, dass schon zuvor Menschen an Borna verstorben sind, ohne dass das Virus festgestellt wurde. Die Wissenschaftler haben deshalb auch Gewebeproben von verstorbenen Patienten untersucht. Das Ergebnis: Der früheste Fall aus Bayern datiert auf das Jahr 1996. Bundesweit geht man von etwas mehr als 60 bekannten Todesfällen aus.

Merle Böhmer betont, dass sich die Zahlen dennoch auf einem „sehr niedrigen Niveau“ bewegen. Auch der Amtsarzt aus dem Kreis Regen, wo es den jüngsten Fall gibt, beruhigt: „Da das Virus sich nicht von Mensch zu Mensch verbreitet, besteht keine erhöhte Gefahr für die Bevölkerung“, sagt Jürgen Dachl. Das Problem: Wo genau sich der erkrankte Mensch angesteckt hat, ist bisher nicht ermittelt worden. Die Infektionswege nachzuvollziehen, ist neben der Suche nach einem Gegenmittel ein wichtiges Ziel der Forscher. Einfach ist das nicht: Der Patient kann meistens nicht mehr befragt werden. Selbst wenn er überlebt, trägt er gravierende Schäden am Gehirn davon. Und: „Die Inkubationszeit beträgt einige Wochen bis wenige Monate“, sagt Merle Böhmer. Oftmals können Angehörige dann nicht mehr rekonstrurieren, wo sich der Patient angesteckt haben könnte. Infizierte Tiere scheiden das Virus unter anderem über Kot, Urin, Speichel und die Haut aus. Eine Infektion könnte über einen Biss oder einen Kratzer, aber auch durch Einatmen von Staub erfolgen, wenn der Mensch zuvor an Orten, an denen Feldspitzmäuse leben, Staub aufgewirbelt hat – etwa im Schuppen.

Es gibt aber auch gute Nachrichten: „Wir haben herausgefunden, dass das Virus in der Umwelt nicht unendlich stabil ist“, sagt Merle Böhmer. Nach wenigen Tagen ist das Virus in der Umwelt in der Regel nicht mehr infektiös.C. ZIMNIOK

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