Bahnhof Pasing: Die Regiobahn ist proppenvoll.
Kein Durchkommen am Dienstagabend am Starnberger Flügelbahnhof des Hauptbahnhofs München. © Dominik Göttler
München – Nicht zum ersten Mal werden die Nerven der Pendler strapaziert: Wegen der Stammstreckensperrung ist der Ersatzverkehr derzeit nah im Limit – oder hat die Grenze des Zumutbaren sogar überschritten. Das zeigt ein einfacher Praxistest: Wer sich gestern Vormittag mit der S-Bahn beispielsweise aus Fürstenfeldbruck auf den Weg nach München machte, für den war in Pasing Endstation. Alle Züge aus dem Westen enden noch bis einschließlich Donnerstag dort. Wer in die Stadtmitte will, soll auf den Ersatzverkehr umsteigen. Nur: Der ist phasenweise heillos überlastet. Um 9 Uhr stauten sich die Fahrgäste am Bahnsteig von Gleis 3/4 – dort, wo die Regionalbahn aus Garmisch-Partenkirchen eintrifft. Die Zugbegleiterin hatte ihre liebe Not, die drängelnden Pendler zurückzuhalten – ihr Zug war proppenvoll.
Im vergangenen Jahr, als ähnliches Chaos herrschte, hatte die Bahn nachgebessert und eine Pendler-S-Bahn zwischen Pasing und Hauptbahnhof eingerichtet. Das war aber eine Ausnahme und ist bei den meisten Sperrungen „aufgrund der angespannten Gleis- und Bahnsteigsituation im Münchner Hauptbahnhof“ nicht geplant, wie Simon Schmaußer, Sprecher des bayerischen Verkehrsministeriums, auf Anfrage mitteilte. Das Ministerium verweist stattdessen auf eine S-Bahn, die zwischen Pasing und Heimeranplatz unterwegs ist – von dort kann man auf die U-Bahn Richtung Innenstadt umsteigen. Die ewige Umsteigerei kostet Zeit und Nerven. Trotzdem wird das Angebot gut genutzt – so gut, dass sich gestern auch dort die Fahrgäste stauten, wie Fotos zeigen, die der Radiosender Arabella auf Instagram veröffentlichte.
Gestern Vormittag jedenfalls mussten etliche Pendler zunächst in Pasing zurückbleiben. Ihr Glück war, dass die nächste Regionalbahn sogleich eintraf – purer Zufall allerdings, denn sie hatte 40 Minuten Verspätung. Immerhin: Sie war nicht so voll, konnte die Opfer des Ersatzverkehrs aufnehmen. Am Hauptbahnhof allerdings die nächste Überraschung: Alle Regionalzüge enden regulär im Starnberger Flügelbahnhof. Dort aber sind die Zu- und Abgänge wegen Bauarbeiten am Bahnhofsgebäude arg limitiert. Der Bahnsteig am Gleis 26 ist zudem gesperrt. Heilloser Fahrgast-Stau war die Folge.
Dasselbe Bild dann am Abend: 18 Uhr am Starnberger Flügelbahnhof. Nichts geht mehr, nicht vor, nicht zurück. Das Nadelöhr zwischen Baustellenzaun und den Gleisen ist völlig überfüllt – mit ankommenden Passagieren und all jenen Pendlern, die aus der Stadt herauswollen. Die ersten Fahrgäste laufen aus Frust schon über die Gleise, bis schließlich die Polizei eingreift und die Passagiermassen lenkt. Währenddessen sind die verspäteten Regionalzüge in der Haupthalle des Hauptbahnhofs bei schweißtreibenden Temperaturen erneut übervoll.
Es gäbe noch einen Vorschlag, den Pendler-Ärger zumindest in Pasing wenigstens etwas zu lindern: Die Bahn könnte die ICE zwischen Pasing und Hauptbahnhof für die Nahverkehrskunden freigeben. Eigentlich halten die ICE-Züge Richtung Hbf in Pasing nur zum Aussteigen, Zusteigen ist untersagt. Manch einer hüpft dennoch in den ICE, die meisten Zugbegleiter tolerieren das. Eine unbürokratische Freigabe für alle scheint aber nicht möglich – „wegen der hohen Kosten“. Die S-Bahn müsste an DB Fernverkehr dann eine Entschädigung zahlen.Dirk Walter