Protest gegen AfD-Kulturreferenten

von Redaktion

Eine Perle in Oberbayern mit „braunem Fleck“? Stadtplatz in Tittmoning mit historischem Rathaus. © IMAGO/Hanna Wagner

Tittmoning – Oberbayerns zweitkleinste Stadt Tittmoning im Kreis Traunstein, nah an der Grenze zu Österreich, rühmt sich, eine überregional bedeutende Kulturszene zu haben. Die ist nun in heller Aufregung. Grund ist, dass der Stadtrat nach der Kommunalwahl den AfD-Stadtrat Sebastian Gruttauer zum Referenten für Kultur, Brauchtum und Tradition gewählt hat. Ein AfD-Kulturreferent – das gibt es bisher in keiner anderen Stadt im Freistaat.

Gruttauer, der als ehemaliger Trachtenvorstand oft in Lederhosen auftritt und gerne betont Bairisch spricht, ist aktives Mitglied bei der neuen AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“. Auf Instagram kann man verfolgen, welchem Gedankengut Gruttauer anhängt: Er wirbt für den AfD-Rechtsaußen Björn Höcke und spricht sich für „Remigration“ aus (weil man „mehr und mehr zur Minderheit“ wird). Er nimmt an Tagungen „zum linksextremen Ökosystem“ teil, er teilt Beiträge, in denen der „Abzug aller Besatzungstruppen“ gefordert wird, damit es „endlich ein freies und souveränes Deutschland“ geben kann. Nun soll der 32-Jährige Vernissagen eröffnen, Grußworte sprechen und den Kontakt zur hiesigen Kulturszene halten.

Das wird wohl schwierig, denn in einer Petition, die unserer Zeitung vorliegt, sprechen sich gut 60 Künstler für einen Boykott aus. „Mit großer Sorge“ habe man die Wahl zur Kenntnis genommen. Nun sei eine „Rückbesinnung auf die demokratischen Grundwerte“ nötig. Mit Gruttauer könne man nicht zusammenarbeiten. Unter den Unterzeichnern sind meist örtliche Kulturschaffende, aber auch überregional Bekannte wie der Münchner Publizist Rafael Seligmann oder Musikkabarettist Hans Well. „Der Vorgang ist empörend“, sagt Well. Tittmoning mit seiner Burg sei eine „wunderschöne Stadt, eine Perle“, habe aber jetzt „einen braunen Fleck“.

Die Wahl wurmt mittlerweile auch Bürgermeister Andreas Bratzdrum (CSU), der die Wahl auf eine Verkettung unglücklicher Umstände zurückführt. In Tittmoning ist es üblich, dass jeder Stadtrat ein Referat übernimmt. Das für Kultur war nach der Kommunalwahl verwaist und in einer Vorbesprechung bekundete Gruttauer sein Interesse. „Keiner hat Einwände erhoben oder Alternativvorschläge gemacht“, betont der Rathauschef. Ein Vorschlag, das Referat zu teilen und dem AfD-Mann nur Brauchtum und Tradition zu lassen, scheiterte.

Bratzdrum will den Vorgang nun in der nächsten Stadtratssitzung am 16. Juni auf die Tagesordnung setzen. „Das wird noch einmal behandelt.“ Stadtrat Hans Glück (Ökologische Bürgerliste) sagt: „Der Schaden ist angerichtet“, jetzt gehe es um „Schadensbegrenzung“. Ziel müsse sein, Gruttauer abzuwählen und ihm ein weniger problematisches Referat zuzuweisen.

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