Beklemmende Enge: So sah es am Flügelbahnhof am Dienstagabend aus. © dg
München – Stammstrecken-Probleme ohne Ende bei der Bahn: Zum Ärger um überfüllte Ersatzzüge und teils bedrohliche Enge am Starnberger Flügelbahnhof (wir berichteten) kam gestern eine Hiobsbotschaft: Die Bahn muss die aktuelle Stammstrecken-Sperrung verlängern – und zwar bis Freitagabend. Ursprünglich sollte die Sperrung Donnerstagfrüh enden. Grund für die Verlängerung sind „unerwartete Hindernisse im Baufeld“, wie ein Sprecher sagte. Im Zuge der Arbeiten seien fünf unterirdische Betonfundamente am neuen Bahnhof Laim gefunden worden, zwei davon direkt unter der neuen Trasse. Diese müssen erst entfernt werden, was ohne Sperrung nicht geht.
So groß ist die Not bei der Bahn, dass sie gestern sogar die Fahrgäste bat, „von vermeidbaren Fahrten abzusehen bzw. die Hauptverkehrszeiten zu meiden“. Denn: Ab Donnerstag, 4.40 Uhr, verkehrt auf der Stammstrecke nur noch die kombinierte Linie S5/S7 zwischen Donnersbergerbrücke und Ostbahnhof. Die S4 fährt ab Pasing bis Hauptbahnhof durch, ebenso wie gewohnt die Regionalzüge. Die S8 steuert über den Südring den Ostbahnhof an.
Gestern arbeiteten Bahn und Behörden die teils bedrohlichen Situationen vom Dienstag auf. „Die Zustände haben an die Wiesn erinnert“, sagt der Sprecher der Bundespolizei, Tim Oberfrank. Am zweiten Oktoberfest-Samstag 2025 mussten die Zugänge gesperrt werden, die Wiesn stand wegen des Andrangs kurz vor dem Kollaps. Am Dienstag ging es am Starnberger Flügelbahnhof zeitweise weder vor noch zurück. Abends eskalierte es: Pendler strömten nach der Arbeit zu ihren S-Bahnen oder Regionalbahnen, die alle am Starnberger Flügelbahnhof abfuhren. Gleichzeitig stiegen Fahrgäste aus den ankommenden Zügen – es staute sich, Fahrgäste liefen über die Gleise, um ihren Zug noch zu erwischen. Security-Kräfte versuchten, das mit Gebrüll zu verhindern – aber vergebens. Die Polizei schritt ein. „Das sind Zustände, die man so nicht haben will“, sagt der Polizeisprecher.
Immerhin: Die Bahn zeigt sich einsichtig: Man sei sich „der Situation bewusst“ und werde mehr Personal einsetzen, hieß es auf Anfrage. Sicherheitskräfte sollen nun die Auslastung am Flügelbahnhof im Auge behalten. Falls nötig, würden Zugänge vorübergehend geschlossen, um den Andrang zu begrenzen.
„Wir brauchen weitere Nachbesserungen“, sagt ein Sprecher von Pro Bahn. Notwendig sei unter anderem eine Pendel-S-Bahn zwischen Pasing und Hauptbahnhof. Zudem müssten Tram 19 ab Pasing und die U5 in kürzeren Abständen fahren. Zum Heimranplatz müssten mehr Züge fahren.
Bahn reagiert nach Kritik
Außerdem müssten Züge in die Haupthalle umgeleitet werden. Das sei laut Gleisplan für die Züge aus dem Werdenfels und dem Allgäu, die in Pasing am Gleis 3 halten, möglich und würde das Fahrgastaufkommen im Bahnhof entzerren. „Absurd“ nennt es der Sprecher ferner, dass die ICE-Züge ab Pasing stadteinwärts nicht für Nahverkehrskunden freigegeben werden. Zu beiden Forderungen reagiert die Bahn nun: Wie sie mitteilte, können „bis zunächst Freitagmittag“ die Fernverkehrszüge zwischen Pasing und Hauptbahnhof auch mit MVV- und Nahverkehrstickets genutzt werden. Außerdem kündigte sie an, dass S-Bahnen „nach Möglichkeit“ in der Haupthalle am Gleis 24/25 wenden sollen.DIRK WALTER