Das Caritas Altenheim St. Felicitas in Bischofswiesen © Kilian Pfeiffer (2)
Bischofswiesen – Die Caritas will bis Ende des Jahres im Berchtesgadener Land das Altenheim St. Felicitas schließen – die Nachricht hat in Bischofswiesen hohe Wellen geschlagen. Die Belegschaft war erst vorletzte Woche über die Entscheidung informiert worden – nur kurz bevor die Caritas die Entscheidung mit einer Pressemitteilung bekanntgab.
Der Träger begründet die Entscheidung mit wirtschaftlichen Zwängen, einem baulichen Sanierungsstau in Millionenhöhe und dem Pflegenotstand. Die Belegschaft hält das jedoch für einen Vorwand. Denn noch in der Woche der Verkündung sei eine neue Fachkraft eingestellt worden, heißt es aus Mitarbeiterkreisen. Eine große Personalfluktuation gebe es in dem Heim nicht. Das Kernteam bestehe aus langjährigen Mitarbeitern. Auszubildende wurden übernommen. Erst kürzlich hatte die Heimaufsicht der Einrichtung Bestnoten bescheinigt. Die Mitarbeiter sind überzeugt: Mit dem derzeitigen Personal hätte das Heim noch lange weitergeführt werden können.
Die Caritas will betriebsbedingte Kündigungen vermeiden und das Personal übernehmen, kündigte sie an. Doch für viele Pflegekräfte würde das bedeuten, dass sie künftig in Einrichtungen in Traunstein oder Rosenheim arbeiten müssen. Auf den Träger kommen hohe Abfindungszahlungen zu, da viele Angestellte seit Jahrzehnten im Haus sind. Merkwürdig findet so mancher im Umfeld des Hauses den Zeitpunkt der Verkündung, der exakt in die Phase des Bürgermeisterwechsels in Bischofswiesen fällt.
Dramatisch ist die Lage für die Bewohner und deren Angehörige. Obwohl das Haus formell erst zum Jahresende die stationäre Langzeitpflege einstellt und die Kurzzeitpflege aktuell sogar noch Patienten aufnimmt, ziehen die ersten bereits aus. Einige Angehörige haben sich bereits um Plätze in nahe gelegenen Heimen bemüht – aus Angst, bald nichts mehr zu bekommen. Für die verbleibenden Bewohner bedeutet die Situation eine psychische Belastung, sagt ein Betreuer. Wer die Nachricht versteht, reagiert mit Tränen und dem Gefühl, im hohen Alter abgeschoben zu werden.KILIAN PFEIFFER