Ein mit Bauschaum verstopfter Autoauspuff. Das Foto stammt aus Langenau in Baden-Württemberg. Auch in Bayern, Brandenburg und Berlin gab es Anschläge. © Oliver Heider/SWP
Ulm – Nach einer Sabotageserie an hunderten Autos hat die Staatsanwaltschaft Ulm nun Anklage gegen vier Verdächtige erhoben. Mutmaßlich hatte die Sabotageserie zur Diffamierung der Grünen gedient. Drei Männer und eine Frau im Alter von 18 bis 21 Jahren sollen im Dezember 2024 in Städten in vier Bundesländern die Auspuffrohre von über 270 Fahrzeugen mit Bauschaum befüllt haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen gemeinschaftliche Sachbeschädigung vor.
An den Autos seien zugleich Aufkleber mit der Aufschrift „Sei grüner!“ sowie ein Bild des damaligen Bundeswirtschaftsministers Robert Habeck (Grüne) angebracht worden, teilte die Anklagebehörde weiter mit. Der Schaden wird auf mehr als 13.000 Euro beziffert. Die Taten ereigneten sich in Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg und Berlin.
Der Verdacht richtete sich zunächst gegen radikale Klimaaktivisten. Nach Medienberichten kamen die Ermittler später zu dem Schluss, dass es sich um eine gezielte Kampagne gehandelt haben könnte, die darauf abzielte, im Bundestagswahlkampf Stimmung gegen die Grünen zu machen.
Die Aktionen sollen von einem bislang unbekannten Auftraggeber gesteuert worden sein, der die Gruppe gezielt gegen Geld angeworben haben soll, um die Taten politisch erscheinen zu lassen und das Wahlverhalten vor der Bundestagswahl im Februar 2025 zu beeinflussen. Für jedes beschädigte Fahrzeug seien den Beschuldigten 100 Euro versprochen worden. Die Ermittlungen gegen den unbekannten Hintermann seien nach Ausschöpfung aller Ermittlungsmaßnahmen eingestellt worden. Ende vergangenen Jahres führte die Spur wegen der Aussage eines Tatverdächtigen nach Russland. Dieser hatte angegeben, dass „ein wohl serbischer Staatsangehöriger aus Russland“ die Taten in Auftrag gegeben hatte.
Ein 19-jähriger Beschuldigter äußerte sich laut Staatsanwaltschaft umfangreich zu den Vorwürfen und belastete auch seine Mitangeklagten. Die übrigen Beschuldigten bestreiten die Vorwürfe oder machten von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Die Anklage wurde zum Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Augsburg erhoben. Es muss die Anklage nun prüfen und über die Eröffnung eines Prozesses entscheiden.AFP