Von der Sanierung betroffen: der RB54 von München nach Kufstein am Rosenheimer Bahnhof. © Nguyen/IMAGO, Büttner/pa
München/Rosenheim – „Das Sanierungskonzept der Hochleistungskorridore wird fortlaufend überprüft und angepasst.“ So steht es auf Seite 28 des Koalitionsvertrages zwischen Union und SPD aus dem Jahr 2025. Nun gibt es tatsächlich erstmals eine gravierende Änderung. Nach Druck aus Bayern und nach vielen Verhandlungsrunden bis hinauf zur Bahnchefin Evelyn Palla hat die Deutsche Bahn ihr Konzept für die Sanierung der Bahnstrecke München–Rosenheim geändert. Die Sanierung dieses Hochleistungskorridors, auf dem im Schnitt täglich 96 Güter-, 64 Fern- und 132 Regionalzüge fahren, wird in Etappen erfolgen – nicht mehr in einem Stück.
Für die Bahn, die bisher eisern an ihrem Konzept festhielt, ist das ein fast revolutionärer Schritt. Eine fünfmonatige Komplettsperrung vom 21. Januar bis 23. Juni 2028 werde vermieden, sagte der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Ulrich Lange (CSU), unserer Zeitung. Dafür hatte sich Bayern lange eingesetzt, kein Wunder, dass sich Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) hochzufrieden zeigt: „Wir haben dafür gekämpft.“ Eine fast halbjährige Stilllegung dieser Verkehrsachse mit Pendlerströmen, Güterverkehr und Touristen lasse sich nicht mit Ersatzverkehr abwickeln.
Der neue Plan sieht vor, dass die Sanierung der Fernbahnstrecke in zwei Etappen erfolgt: Im Frühjahr 2028 gibt es nur acht Wochen Sperrung, um Weichen, Gleise, Oberleitung und Stellwerke zu erneuern und Bahnhöfe zu modernisieren. Im ersten Halbjahr 2031 gibt es dafür aber eine weitere Sperre, dann bis zu 16 Wochen, eventuell kürzer. Ein Vorteil der Verschiebung sei, dass die Mangfalltalbahn Holzkirchen–Rosenheim als Umleitungsstrecke bis 2031 besser ertüchtigt werden könne. Auch könnte die Fernbahn bis dahin mit dem Kontrollsystem ETCS ohne konventionelle Signale ausgerüstet werden, ebenso die Nahverkehrszüge.
Auch die S-Bahn bis Grafing Bahnhof hängt an der Sanierung, unter anderem, weil die Oberleitungsmasten von Fern- und S-Bahn aus einem Stück sind. Der neue Plan für die S-Bahn sieht für das vierte Quartal 2027 eine zehnwöchige abschnittsweise Sperrung vor. Von Januar bis April 2028 soll es acht Wochenendsperrungen, eine einwöchige Vollsperrung Waldtrudering bis Grafing und eine zweiwöchige Vollsperrung Zorneding–Grafing geben. 2031 müssen weitere kürzere Vollsperrungen erfolgen.
An der Sanierung der Strecke Rosenheim–Salzburg (7. Februar bis 9. Juli 2027) ändert sich nichts. Insgesamt saniert die Bahn bis 2036 über 40 Strecken, darunter mehrere in Bayern (siehe Grafik). Derzeit ist die Strecke Nürnberg–Regensburg gesperrt, die zweigleisige Trasse wird ertüchtigt. Bernreiter schaute sich das selbst vor Ort an und war beeindruckt: „Das läuft sehr gut.“ Jeden Tag werden 2000 Meter neues Gleis verbaut. Die Sanierungen seien ein Beispiel dafür, dass auch etwas vorangehe bei der Bahn. Wenn der Abschnitt fertig ist, folgt ab Juli Regensburg–Passau. Die Sanierung kostet 2,6 Milliarden Euro, zu 99 Prozent bezahlt wie alle Korridorsanierungen aus dem Sondervermögen des Bundes. Auch die Sanierung München–Rosenheim ist ein Milliardenprojekt, genaue Kosten gibt es bisher nicht.DIRK WALTER