DAS PORTRÄT

Der geduldige Helfer an der Bergbahn

von Redaktion

Fred Retzer in der Talstation am Brauneck. © Arndt Pröhl

Eigentlich wollte Fred Retzer nur sein Taschengeld aufbessern. Deshalb nahm er den Nebenjob bei der Bergbahn am Brauneck an. Er blieb für 46 Sommer und 46 Winter. 43 davon fest angestellt, schließlich war Bergsport seine große Leidenschaft. „Früher waren alle aus Lenggries hier beim Skifahren“, erzählt er. Anfang der 80er lief vieles anders als heute: „Man konnte die Bahn damals nur von oben einschalten, also musste immer einer aus unserem Team am Berg übernachten.“ Der Umbau 1983 war eine von vielen Baustellen, die der heute 63-Jährige miterlebte.

In 46 Jahren haben sich Wintersport wie Gäste verändert. „Früher waren die Skifahrer gemütlicher. Als ich jung war, hat man gehofft, dass es niemand gesehen hat, wenn man hingefallen ist. Heute suchen viele als Erstes nach einem Schuldigen – auch, wenn nichts passiert ist“, sagt Retzer. Auch bei Schlangen am Lift seien früher alle entspannt geblieben. Trotzdem: Die meisten Besucher seien nett – Einheimische, Touristen und Münchner. In all den Jahren hat Retzer auch Promis auf den Berg gebracht: Schauspieler Rufus Beck zum Beispiel und Sänger Peter Maffay. In seinen letzten Berufsjahren war Retzer in der Talstation im Einsatz und hatte viel Kundenkontakt. Davor durchlief er alle Stationen. „Es gibt keinen schöneren Arbeitsplatz als das Brauneck“, sagt er. In der Natur arbeiten zu können, habe er immer sehr genossen.

Retzer sammelt übrigens Liftkarten aus aller Welt. Anfangs, weil Skifahrer auch immer andere Liftkarten dabeihatten. „Irgendwann habe ich angefangen, alle an die Decke zu pinnen.“ Dort hängen über 500 Exemplare – von Japan bis Kanada. Diese Sammlung wird er seinen Kollegen als Andenken hinterlassen. Doch der Ruhestand wird kein harter Abschied: „Ich werde sicher hin und wieder aushelfen.“FELICITAS BOGNER

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