In der Krise boomt der Bunker

von Redaktion

Fürstenfeldbrucker baut Schutzräume – in turbulenten Zeiten wächst die Nachfrage

Die Türen im Panikraum müssen schusssicher sein.

Ein Trockenklosett mit Eimer-Tüten-System.

Gittertür und Stockbett: Peter Aurnhammer im Showroom seines Deutschen Schutzraumzentrums in Fürstenfeldbruck. © Marcus Schlaf (3)

Fürstenfeldbruck – Wenn es um Sicherheit geht, versteht er keinen Spaß: In einer blauen Steppjacke eilt Peter Aurnhammer die Treppe runter in den kühlen Keller. „Hier ist unser Showroom“, erklärt er. Mit Schwung klappt der 30-Jährige im Inneren eine Panzertür auf, die noch ausbetoniert werden muss. Hinter ihm steht ein dreistöckiges Bett mit karierten Kissen. „Am Anfang haben viele über das Thema gelacht“, sagt er. „Aber jetzt hat sich die Situation komplett geändert.“

Peter Aurnhammer betreibt in Fürstenfeldbruck das Deutsche Schutzraumzentrum (DSZ). Der Ingenieur gehört zu den wenigen Experten in Deutschland, die private und öffentliche Schutzräume bauen oder reaktivieren. Angesichts weltweiter Krisen und Konflikte steige die Nachfrage stark an. Die Zahl der Aufträge läge jährlich im dreistelligen Bereich.

Das DSZ gründete er vor fünf Jahren. Auf die Idee brachte ihn ein Freund aus der Schweiz. Dabei erfuhr er, dass kaum ein anderes Land in Europa über eine solche Dichte an Schutzräumen verfügt. Mehr als 370.000 solcher Räume stehen den rund neun Millionen Schweizer Einwohnern zur Verfügung. „In Deutschland gibt es so etwas nicht.“ Doch inzwischen habe sich die weltweite Bedrohungslage geändert. Auch in der Bundesrepublik sind Schutzräume wieder Thema. „80 Prozent unserer Kunden sind Häuslebauer.“ Familien mit Kindern, keine Leute mit extremen politischen Ansichten, wie er betont. Der Einbau sei bei Neubauten einfacher und günstiger als beim Bestand.

Je nach Szenario und Vermögen bietet Aurnhammer verschiedene Modelle für Neubauten an. Der Schutzraum Basis ab acht Quadratmetern ist die günstigste Variante und ab 35.000 Euro zu haben. „Für das Szenario kurze Angriffsphase.“ Er beinhaltet Wände und Decken aus Stahlbeton, ist mit Panzertür, Panzerdeckel, ABC-Lüftungsanlage und Drei-Personen liegen ausgestattet. „Es gibt ein Trockenklosett“, erklärt er und zeigt in eine Nische, wo eine Klobrille auf einem Eimer samt Tüte sitzt.

Der Bestseller sei der Schutzraum-Classic, der im Ernstfall mehr Platz und Komfort bietet und zusätzlich mit Wasseranschluss, Nassklosett, Dusche, Waschbecken und Küchenzeile ausgestattet ist. „Hier kann man gut zwei Wochen unterkommen.“ Die Lüftung könne man bei Stromausfall mit einer Kurbel antreiben. Mittels Kerze lasse sich erkennen, ob der Sauerstoff reicht. „Geht die Kerze aus, muss man handeln.“ Beim Szenario „Chemieunfall“ wird ein Filter angeschlossen. Nicht vergessen: Notvorräte. Je nach Modell variiert der Schutzumfang: Im besten Fall schütze der Raum vor konventionellen, biologischen sowie chemischen Waffen, ja sogar bei Atomwaffen und Nuklearunfällen.

Eher klein sei der Markt für Panikräume. „Das ist für betuchte Kunden.“ Das Ziel: „Ein sicherer Aufenthalt bei menschlichen Übergriffen.“ Szenario: Der Bewohner hört, dass im Erdgeschoss ein Einbrecher eine Scheibe einschlägt. Er rennt in den Panikraum im Wohnbereich, verschließt die Tür, ruft die Polizei. Der Raum kann je nach Kundenanforderung schusssicher sein, sagt Aurnhammer und zeigt auf eine Wand mit Einschusslöchern, in der Patronen unterschiedlichen Kalibers stecken.

Er kümmert sich zudem um die Reaktivierung von alten Schutzräumen, die größtenteils aus der Zeit des Kalten Krieges stammen. Neben Privatpersonen und Firmen berät der 30-Jährige Gemeinden, die für Bürger Schutzräume schaffen wollen. In Mehrzweckhallen oder Tiefgaragen. Aber: „Meist fehlt hier das Geld.“ Für Aurnhammer steht fest: In Sachen Sicherheit gibt es noch viel zu tun.MARLENE KADACH

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