Vom Hefeteig zum organischen Akku: Beim Wettbewerb „Jugend forscht“ stellte Julia Trapp ihre Erfindung vor. © Privat
Müchen – Julia Trapp wollte eigentlich nur ein Brot backen. Heute sitzt die 18-Jährige aus Schondorf am Ammersee mit Unternehmen am Verhandlungstisch. Sie hat einen nachhaltigen Akku entwickelt – und ist überzeugt: „Der wird vieles bewirken können.“ Vor fünf Jahren machte die damals 13-Jährige einen Hefeteig. „Weil mir das zu langweilig war, habe ich den Teig mit Tinte eingefärbt“, erzählt Trapp. Nach dem Gären folgte die Überraschung: Die Farbe war verschwunden. Sie begann nach der Ursache zu suchen – und fand sie in einem Molekül aus der Hefe: Es hatte die Farbe beim Backen reduziert. Das Molekül dient als Energiespeicher – der Ausgangspunkt für ihr Projekt. Schritt für Schritt entwickelte sie daraus ihre eigene Batterie – und verbesserte sie Jahr für Jahr. „Jetzt habe ich einen Akku, den man in der Realität wirklich einsetzen könnte“, sagt sie. Das Batteriematerial ist einfach im Labor herzustellen und in der Leistung vergleichbar mit herkömmlichen Lithium-Ionen-Batterien.
Diese Einschätzung teilt auch die Jury des renommierten Nachwuchswettbewerbs Jugend forscht. Dreimal ist Trapp bereits angetreten, zweimal erreichte sie das Bundesfinale und belegte im Fachbereich Chemie einen zweiten und einen dritten Platz. Auch in diesem Jahr war die Zwölftklässlerin erfolgreich: Beim Landeswettbewerb Bayern wurde sie mit dem zweiten Platz ausgezeichnet.
Fünf Jahre hat sie geforscht und an ihrer Erfindung gewerkelt. „In der Zeit habe ich mein Projekt immer weiterentwickelt“, betont sie. Ihre Idee ist es wert, geschützt zu werden. Genau hier setzt das Deutsche Patent- und Markenamt an: Gemeinsam mit der Patentanwaltschaft bot es beim Landeswettbewerb erstmals ein Patent-Coaching für die Teilnehmer an. Das Ziel: junge Erfinder dabei unterstützen, ihr geistiges Eigentum zu sichern. Ohne Patent könnte eine Idee im schlimmsten Fall einfach gestohlen werden. Zehn der insgesamt 60 Projekte im Landeswettbewerb Bayern nutzten diese Chance.
Was viele dabei nicht wissen: Eine Erfindung muss vor ihrer öffentlichen Vorstellung geschützt werden. Ist sie einmal veröffentlicht – wie bei der Präsentation beim Wettbewerb –, ist eine klassische Patentanmeldung nicht mehr möglich.
Bei einem sind sich die Jugendlichen einig: Patentrecht ist unglaublich kompliziert. „Wenn man niemanden kennt, der sich damit auskennt, kriegt man das allein eigentlich kaum hin“, sagt Johannes Nirschl. Er sicherte sich den ersten Platz im Regionalwettbewerb München-Süd. Die Teilnehmer können sich gut vorstellen, ihre Projekte weiterzuentwickeln, sie irgendwann praktisch einzusetzen oder sogar zu vermarkten. „Ich bin schon mit großen Unternehmen in Kontakt getreten“, erzählt Trapp.
Nirschl hat eine Zahnbürste entwickelt, die Krankheiten erkennen soll. „Meine ganze Familie benutzt sie schon“, sagt der 17-Jährige stolz. Seine Idee: Während des Zähneputzens werden die Werte im Speichel gemessen, die zeigen, wie gesund man ist. „Die Zahnärzte sind überlastet, man wartet teilweise sechs Monate auf einen Termin“, sagt der Gymnasiast. Mit seiner Erfindung möchte er genau hier ansetzen – und den Zahnarztbesuch im besten Fall ersetzen.
Eine revolutionäre Idee hatten auch zwei Münchner: Die Tiefsee bedeckt mehr als 60 Prozent der Erde – und ist doch fast ein blinder Fleck. Nicht einmal 0,001 Prozent ihres Bodens haben Menschen bislang erforscht. Für Malo Köhler (16) und Konstantin Augsburg (17) liegt das vor allem am enormen Aufwand. Tiefseeproben lassen sich bislang nur mit großen Forschungsschiffen gewinnen. Bis ein Schiff ausläuft, Proben aus der Tiefe holt und diese im Labor ausgewertet sind, vergeht viel Zeit. Und jeder Schritt kostet ein Vermögen. Also entwickelten sie eine autonom-mechanische Probensonde, die ohne teure Forschungsschiffe arbeitet, selbstständig absinkt, Proben nimmt und anschließend wieder auftreibt – ein Konzept, das die Tiefseeforschung revolutionieren könnte. Mit ihrem Prototypen erreichten die Gymnasiasten beim Regionalwettbewerb München-West den ersten Platz. „Ich entwickle auch viele andere Sachen“, erzählt Augsburg. Deswegen ist es ihm umso wichtiger, zu wissen, wie man seine innovativen Projekte schützt.
Ihren Prototypen haben sie im Vorhinein nicht abgesichert. „Das hat der Anwalt bei uns kritisiert“, gibt der Schüler offen zu. Das ist für sie jedoch kein endgültiger Rückschlag – an ihrer Forschung arbeiten sie weiter, und spätere Weiterentwicklungen sind wieder patentierbar. „Bis dahin pokern wir.“