Der Beschuldigte sitzt am ersten Prozesstag im Verhandlungssaal des Landgerichts neben seinem Verteidiger Jörg Meyer. © Armin Weigel/dpa
Regensburg – Aus dem Nichts heraus eskaliert am 3. Juli 2025 in einem fahrenden Zug in Niederbayern die Situation: Ein junger Mann spricht den Ermittlungen nach einen Mitreisenden an, wenig später hält er eine Axt in der Hand und schlägt zu. Vor dem Landgericht Regensburg hat jetzt der Prozess gegen den 21-jährigen mutmaßlichen Täter begonnen.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Syrer versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung vor. Zu Prozessbeginn schweigt der Beschuldigte, die Verhandlung verfolgt er zumeist mit gesenktem Blick.
Was ist an jenem Tag im ICE 91 in Wagen 34 um kurz vor 14 Uhr passiert? Der Zug, der in Richtung Wien fuhr, kam nahe Straßkirchen (Landkreis Straubing-Bogen) zum Stehen. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft sprach der beschuldigte Syrer zunächst einen 25 Jahre alten, ihm nicht bekannten Landsmann an und forderte ihn auf, mit seinen Freunden draußen zu warten. Der 25-Jährige saß mit seiner Mutter und seinen beiden jüngeren Geschwistern in einer Vierer-Sitzgruppe. Danach soll der Beschuldigte seinen Landsmann „mit einem feindseligen Blick“ fixiert haben und mit Hammer und Axt durch das Zugabteil gelaufen sein.
Die Mutter des 25-Jährigen fürchtete einen Angriff und bat einen 29 Jahre alten Fahrgast, die Polizei zu rufen. Unvermittelt soll der Beschuldigte dann mit der Axt auf den Kopf des 29-Jährigen geschlagen haben, danach auf den Kopf der Mutter, die sich schützend vor ihren Sohn gestellt hatte. Die 52-Jährige erlitt wie auch der 29-Jährige eine Schädelfraktur. Laut den Ermittlern gelang es dem Sohn, dem Angreifer die Axt zu entreißen und diesen damit in Notwehr zu schlagen. Der Angreifer wurde ebenfalls schwer verletzt.
Gefasst, aber sichtlich mitgenommen schildert die Mutter vor Gericht, wie sich die Situation in dem Zug zuspitzte. Der Mann habe ihrem Empfinden nach einen komischen Eindruck gemacht, sehr langsam gesprochen, gerötete Augen gehabt und wie unter Drogen gewirkt. Bis heute habe sie Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Angstzustände. Auch ihr 25 Jahre alter Sohn berichtet von den psychischen Folgen. Er traue sich nicht mehr alleine zu verreisen, gehe schnell in Abwehrhaltung, wenn er Geschrei hört. „Ich habe Albträume und ständige Angst.“
Als letzter Zeuge des Verhandlungstages kam der Fahrgast zu Wort, der die Polizei rief. Als der Notruf vorgespielt wird, den er bei der Polizei absetzte, verbirgt der Beschuldigte sein Gesicht hinter seiner Hand. Später sagt er an den 29-Jährigen gerichtet: „Ich entschuldige mich für das, was passiert ist.“
Der 21-Jährige ist in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 21-Jährige weiterhin eine Gefahr für die Allgemeinheit ist und beantragte seine dauerhafte Unterbringung in der psychiatrischen Einrichtung. Das Urteil könnte im Juli fallen.DPA