Etwa 120 Jahre alt ist diese Villa in Grünwald, die abgerissen werden soll.
Kunstwerke ihres Mannes Ivo Krizan sind in der Wohnung von Cindy Wallin gelagert. © mbe (2)
Grünwald – Weg mit der etwa 120 Jahre alten Villa und den Bäumen, Platz schaffen für vier „Herrenhäuser“: So lautet in Grünwald (Kreis München) der Plan eines Immobilieninvestors, der dort 2024 ein etwa 3600 Quadratmeter großes Grundstück gekauft hat und an dessen Gartenzäunen sowie in Immobilienportalen das 8,5 Millionen Euro teure Projekt „The Park“ massiv bewirbt. Das Problem: Noch steht das Haus der vormaligen Eigentümer auf dem Areal – und darin wohnt die Künstlerin Cindy Wallin (unter anderem Zeichnerin von „Wum & Wendelin“), Witwe des 2018 verstorbenen und weit über Grünwalds Grenzen hinaus bekannten Bildhauers Ivo Krizan. 1969 zog das Künstler-Paar in die Villa ein, nun fürchtet die 86 Jahre alte Cindy Wallin, sie solle vertrieben werden. In einem Brief an Bürgermeister Jan Neusiedl beschreibt sie „Entmietungsterror“, weil der neue Eigentümer Teile des Grundstücks schon hat roden lassen, außerdem wurde ihr das Parken auf dem riesigen Areal „ausnahmslos verboten“, wie auf einem Zettel im Treppenhaus steht. Und sie solle „Gewerbemiete“ zahlen für einen Atelierraum im Dachgeschoss sowie das einstige Atelier ihres Mannes. „Reine Schikane“, findet die 86-Jährige, zudem habe der neue Eigentümer „die Poesie des Hauses nicht verstanden, stattdessen macht er mir das Leben zur Hölle“.
Der neue Investor aus Grünwald, der ausdrücklich anonym bleiben möchte, widerspricht dieser Darstellung – er biete eine „gütliche und sozialverträgliche Einigung“ an und erwäge sogar, die alte Villa ins Projekt „The Park“ zu integrieren. Torsten Graf, Geschäftsführer eines mit der Vermarktung beauftragten Maklerbüros, sagt dazu: „Es handelt sich zweifellos um eine besondere Immobilie mit einer besonderen Geschichte.“ Man gehe „mit besonderer Sensibilität und höchstem Respekt“ vor beim Versuch, „wirtschaftliche Interessen und menschliche Verantwortung“ in einen „geordneten und respektvollen Rahmen zu bringen“.MARTIN BECKER