Bringt jeden zum Lachen: Bei ihren Lachyoga-Kursen zeigt Ute Liebhard, wie es geht. © Privat
Stress, Daueranspannung, schlechte Nachrichten – viele Menschen stehen ständig unter Strom. Ute Liebhard hat dafür eine ungewöhnlich einfache Lösung: Lachen. Seit Jahren zeigt die Lachtrainerin Menschen, wie ein bloßes Lächeln zu mehr Gelassenheit und Resilienz führen kann. Wie genau das funktioniert und wieso das so wichtig ist, erzählt die 63-Jährige aus Miesbach im Gespräch.
Frau Liebhard, wann haben Sie zuletzt gelacht?
Jeden Morgen lache ich eine Minute lang zusammen mit meinem Mann. Das gehört allmählich zu unserer Routine und ist ein toller Start in den Tag.
Wie sehr kann Lachen wirklich gegen Alltagsstress helfen?
Auf jeden Fall sehr, mehr, als man denkt! Wenn wir gestresst sind, schalten wir auf Autopilot und verlieren vieles aus dem Blick. Das kann langfristig sogar zu einem Burn-out führen. Dann sollte man einen Moment innehalten und sich ein absichtlich herbeigeführtes Lächeln oder Lachen schenken – das hilft sofort.
Fühlt sich aber bestimmt etwas komisch an…
Ja, das Gehirn kann für einen Moment auf jeden Fall dazwischenfunken. Man denkt sich: „Was mache ich hier eigentlich?“ Die größte Herausforderung ist es, diese Bedenken beiseitezuschieben und sich bewusst klarzumachen: Ich entscheide mich zu lachen, weil ich will, weil ich kann und weil ich weiß, dass es mir guttut. Sobald man den inneren Widerstand überwunden hat, fühlt man sich wohl.
Was passiert dabei im Körper?
Lachen hat sehr viele Auswirkungen. Man kann nicht gleichzeitig denken – also wirklich nicht! Der Kopf schaltet kurz ab. Unsere Atmung wird regelmäßiger, dadurch kommt auch der Herz-Kreislauf in Schwung. Im Nervensystem wird beim Lachen der Parasympathikus, also unser Ruhenerv, angeregt – wir entspannen uns. Gleichzeitig wird der Stoffwechsel gefördert und Glücks- sowie Bindungshormone werden ausgeschüttet. Wenn man mehrere Minuten lacht, kann das sogar das Immunsystem stärken: Studien zeigen, dass dabei vermehrt Antikörper gebildet werden.
Auch, wenn wir nur künstlich lachen?
Ja, das alleine hat schon eine positive Wirkung. Oft wird dadurch relativ schnell das echte Lachen getriggert, das verstärkt den Effekt erst recht.
Wie oft sollte man denn lachen?
Da gibt es keinen festen Richtwert, man sollte da auf sich hören. Wenn du willst, dass es dir besser geht, dann machs. Meistens ist es genau dann am hilfreichsten, wenn man am wenigsten Lust darauf hat.
Haben Sie eine Lachübung für zwischendurch?
Innehalten, Durchatmen und beim Ausatmen einen Hahaha-Ton von sich geben. Ganz ruhig. Es muss kein Lachen sein. Danach fühlt man sich direkt etwas leichter.
Hat das auch langfristige Wirkungen?
Regelmäßiges Lachtraining oder Lachyoga kann unsere psychische Widerstandsfähigkeit stärken. Lachen kann dabei helfen, Situationen etwas gelassener zu sehen und einen leichteren Zugang zu sich selbst zu finden.
Wieso ist Lachen überhaupt so wichtig?
Ich finde, gerade in der heutigen Zeit ist es wichtiger denn je, sich immer wieder den positiven Dingen zu widmen und sich bewusst zu machen: Uns geht es hier gut. Das fällt mir selbst hin und wieder schwer. Aber wenn wir Lachen in die Welt tragen, wird es um uns herum ein Stück friedlicher.