Blitzer gegen Handys am Steuer

von Redaktion

Rheinland-Pfalz setzt auf neue Technik – Bayern beobachtet das, wartet aber noch ab

Handy im Visier: eine Monocam auf der A602.

Kontrolle: Ein Polizeihauptkommissar präsentiert eine Aufnahme der Monocam, die in Rheinland-Pfalz bereits im Regelbetrieb eingesetzt wird. © Harald Tittel/dpa (2)

München/Mainz – Autofahrer in Rheinland-Pfalz müssen seit einigen Wochen damit rechnen, geblitzt zu werden, wenn sie mit dem Handy am Steuer unterwegs sind. Das Bundesland ist das erste, das Monocams einsetzt und Verstöße ahndet. Die Kameras werden auf Brücken oder anderen erhöhten Standorten installiert und fotografieren durch die Frontscheibe in die Fahrzeuge. Erkennt die Software ein Mobiltelefon im Fahrerbereich, wird das Bild zur weiteren Prüfung gespeichert. Anschließend entscheiden Polizeibeamte, ob tatsächlich ein Verstoß vorliegt. Die Technologie wird in den Niederlanden schon länger eingesetzt. Rheinland-Pfalz hat bereits die rechtliche Grundlage geschaffen, um ebenfalls mit Monocams zu arbeiten.

Bayern beobachtet genau, was in Rheinland-Pfalz passiert. „Wir verfolgen aufmerksam die Entwicklungen und Erfahrungen mit diesem System, insbesondere die rechtlichen Entscheidungen dazu“, sagt ein Sprecher des Innenministeriums. „Wir stehen dabei auch im Austausch mit anderen Bundesländern, die das System bereits eingeführt haben oder dies beabsichtigen.“ Eine konkrete Einführung in Bayern ist derzeit allerdings nicht geplant. Dafür fehle die gesetzliche Grundlage.

Der ADAC Südbayern würde den Einsatz von Handy-Blitzern grundsätzlich befürworten. Die Ablenkung durch Smartphones am Steuer sei eine oft unterschätzte Gefahr, viele tödliche Verkehrsunfälle seien darauf zurückzuführen, sagt Bastian Hambalgo vom ADAC Südbayern. Monocam-Systeme könnten auch in Bayern zu mehr Verkehrssicherheit beitragen, Verstöße könnten konsequenter geahndet werden. Das könnte auch zu einem Umdenken bei Autofahrern führen und die Aufmerksamkeit im Straßenverkehr verbessern, hofft er. Denn schon eine Ablenkung von wenigen Sekunden kann dazu führen, dass ein Auto im Blindflug unterwegs ist. Bei 50 km/h legt ein Fahrzeug in zwei Sekunden fast 30 Meter zurück. Ein Blick aufs Handy dauert häufig länger, sagt Hambalgo. Allerdings müssten Datenschutzfragen geklärt werden, bevor die Monocams eingeführt werden können, betont er.

Wie häufig es durch Handys am Steuer zu Unfällen kommt, ist schwer nachzuweisen. Für 2024 hat das Statistische Bundesamt 8722 Unfälle wegen Ablenkung am Steuer mit Verletzten erfasst. Dabei starben 106 Menschen. In 1041 Fällen war nachweislich ein elektronisches Gerät Grund für die Ablenkung. Und die Zahlen steigen. In Bayern sind die Verkehrsunfälle wegen elektronischer Geräte am Steuer im vergangenen Jahr um 6,5 Prozent gestiegen – auf 277. Ein Mensch kam ums Leben, 196 wurden verletzt. In Oberbayern hingegen ging die Zahl dieser Unfälle gegenüber dem Vorjahr um 3,5 Prozent zurück – auf insgesamt 110.

Die tatsächliche Zahl dürfte allerdings höher liegen. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat verweist auf eine hohe Dunkelziffer, da sich bei vielen Unfällen nicht eindeutig nachweisen lasse, ob Ablenkung durch ein Smartphone die Ursache war. Unter Verkehrsexperten gilt Ablenkung neben überhöhter Geschwindigkeit als eine der größten Gefahren im Straßenverkehr.

Und: Schon heute kann die Nutzung elektronischer Geräte am Steuer teuer werden. Wer mit Handy, Smartwatch oder einem anderen elektronischen Gerät verbotswidrig unterwegs ist, muss mit 100 Euro Bußgeld und einem Punkt in Flensburg rechnen. Bei einer Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer oder einem Unfall drohen deutlich höhere Strafen bis hin zum Fahrverbot.CHRISTINA REINER

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