Die Zahl der Organspender steigt – aber zu langsam

von Redaktion

Der Ausweis macht einen zum potenziellen Organspender.

München – Wer ein Spenderorgan braucht, muss meist lange warten. In Bayern haben in den ersten fünf Monaten dieses Jahres 67 Menschen nach ihrem Tod ihre Organe gespendet. Sechs mehr als im Vorjahreszeitraum – aber noch immer viel zu wenig. „Aktuell warten in Bayern rund 1050 Menschen auf ein Spenderorgan, bundesweit sind es rund 8000“, sagte Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU). Diese Zahlen seien bedrückend, betonte sie und warb für die Widerspruchslösung, die gerade in Berlin diskutiert wird.

Aktuell ist in Deutschland eine Organentnahme nach dem Tod nur erlaubt, wenn jemand zu Lebzeiten ausdrücklich zugestimmt hat – zum Beispiel mittels eines Organspendeausweises (alle Infos unter www.organspende-info.de). Im Bundestag haben sich Abgeordnete über Fraktionsgrenzen hinweg zusammengefunden, um eine Neuregelung anzustoßen. Sie argumentieren, eine Widerspruchslösung würde die Zahl der Organspenden deutlich erhöhen. Damit wäre jeder ein potenzieller Spender, außer er hat ausdrücklich widersprochen. In anderen Ländern wie Belgien oder Spanien wird das bereits praktiziert, dort sind die Transplantationszahlen deutlich höher.

Der Bundesverband der Organtransplantierten (BDO) hofft auf diese Neuregelung. Grundsätzlich sei die Bereitschaft zur Organspende hoch. Viele Spenden würden aber daran scheitern, dass kein schriftlicher Wille vorliegt. Die Widerspruchslösung allein reiche aber nicht, betont BDO-Vorsitzende Sandra Zumpfe. Auch medizinisch-organisatorisch seien neue Wege nötig. Der Verband spricht sich für die Einführung der kontrollierten Organspende nach Herz-Kreislauf-Tod aus – als Ergänzung zur Organspende nach Hirntod. In den Krankenhäusern müssten die Transplantationsbeauftragten weiter gestärkt werden, betont Zumpfe. Aktuell mache das ein Arzt nebenbei. In Spanien gebe es in jedem Krankenhaus ein ganzes Team für die Organspende. Ein weiteres großes Problem sei, dass die Hälfte der Krankenhäuser ohne Neurochirurgie (das sind bundesweit 948) keine Organspenden durchführt. „Wir bewegen uns in die richtige Richtung, aber viel zu langsam“, sagt Sandra Zumpfe. Eine Zunahme um 32 Spender im Jahr sei kein Durchbruch, sondern ein Signal, dass neue Ansätze notwendig seien. Noch ist unklar, ob der Gesetzentwurf im Bundestag eine Mehrheit findet, vor 2030 würde das Gesetz in keinem Fall in Kraft treten.KWO/DPA

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