Rosemarie Auer aus Bad Tölz. © A. Pröhl
Als Rosemarie Auer vor 13 Jahren durch das Tölzer Gries spazierte, entdeckte sie an einem Haus einen kleinen Zettel mit der Aufschrift „Zu verkaufen“. Sie hatte sich sofort in das Gebäude verliebt, nahm den Zettel mit und setzte alles daran, Besitzerin des Hauses zu werden. Obwohl es damals total verwahrlost war. Aber die 58-Jährige ist Holzrestauratorin. Ihre Leidenschaft für alte Möbel und Gegenstände konnte sie bei diesem Herzensprojekt so richtig ausleben. „Es war alles sanierungsbedürftig“, erzählt sie. In den ersten Monaten wollte deshalb kaum jemand ihr Haus betreten. Aber Auer hatte größte Freude daran, Schritt für Schritt aus der Baustelle eine Werkstatt und ein Zuhause zu machen. „Fertig werde ich wahrscheinlich nie“, sagt sie lachend. „Aber darum geht es mir auch gar nicht. Ich liebe es, hier in der Arbeit zu versinken.“
Dass ihr Haus im Gries steht, bedeutet ihr viel. „Das ist ein alter, geschichtsträchtiger Teil von Bad Tölz. Früher war das hier ein armes Viertel mit viel Handwerk. In diesem Haus waren einmal eine Wäscherei und eine Sattlerei untergebracht“, erzählt sie. „Ich finde es schön, dass ich mit dem Schachtelbiegen und Restaurieren wieder ein Handwerk in dieses Haus bringe.“ Neue Möbel kommen für ihr Haus nicht infrage. „Die haben für mich kein Leben, keine Seele“, sagt sie. Schon als kleines Mädchen wollte sie immer alles Alte retten. Antiquitäten bedeuten ihr viel. „Sie stammen aus einer Zeit, in der es noch keinen Kunststoff gab und alles reine Handarbeit war.“ Ihr Antrieb ist es, Möbel und Gebrauchsgegenstände für die nächste Generation zu bewahren. Ihre Leidenschaft zeigt sich in jeder Ecke des Hauses. Im Wohnzimmer steht etwa eine große alte Truhe. „Die gehörte einmal einer Seefahrerfamilie aus Dänemark.“
Ihr Haus saniert sie allein. „Ich habe früher schon einmal mit Freunden ein Bauernhaus im Chiemgau hergerichtet. Aber das hier ist jetzt meine eigene Aufgabe.“ Dabei schreckt die zierliche Frau vor keiner Herausforderung zurück. Ganze Türen und schwere Schränke manövriert sie selbst auf die Werkbank im Erdgeschoss. In tagelanger Feinarbeit bearbeitet sie jedes einzelne Stück, bis es ihren hohen Ansprüchen genügt. „Geduldig muss man auf jeden Fall sein“, sagt sie. Aber wenn sie ganz ehrlich ist, ist es ihr ja eigentlich ganz recht, wenn sie noch möglichst lange an ihrem Herzensprojekt arbeiten kann.FELICITAS BOGNER