KOLUMNE

Weiterleben

von Redaktion

Manchmal liebe ich Social Media. Dann zum Bespiel, wenn ich stöbern kann und schöne, längere Texte finde. Solche, die nicht von „hopp“ oder „topp“ dominiert sind, sondern etwas zu erzählen haben. Kürzlich tat das Karin Burger, eine sympathische Frau, die bekannt ist für ihre Redneragentur. Sie erzählt in einem Post davon, wie geliebte Menschen nach dem Tod in ihr lebendig bleiben.

Die kleinen Dinge sind es, sagt Karin Burger, die unsterblich machen. Die väterliche Stimme, die im Inneren laut wird, wenn man sich als Handwerkerin betätigt, eigentlich keine Lust mehr hat aufzuräumen und es dann dennoch tut. Musik, die tanzen lässt, wie wohl der Freund und Tanzpartner längst seine Runden im Himmel dreht. Für mich gibt es – neben solch liebevollen Gedanken – als echte Lebenshilfe einen sehr besonderen Satz. Er lautet: „Erinnerungen sind wie ein goldenes Band, das uns verbindet, bis wir uns wiedersehen.“ Was man miteinander gedacht, gesprochen, geträumt, beweint und erlebt hat, worüber man gelacht und miteinander gehakelt hat, ist niemals verloren, sondern hat Bestand. So viel gibt es, das lebendig bleiben lässt. „Wenn schon nicht für immer, dann wenigstens für ewig“, wie Rocklady Ulla Meinecke singt.

Ja, und es sind die kleinen Dinge. Mein Vater hat mich gelehrt, Handtücher und Unterwäsche Kante auf Kante zusammenzufalten. Was habe ich gemotzt – und jetzt steht er in Gedanken neben mir vor meinem ordentlichen Schrank und lächelt. Ich würde ihn gerne ein wenig in die Seite boxen. Mein bester Freund hat Oma vor Augen, wenn er nach ihrer Methode bügelt oder die Mutter, wenn er sich die Hände reibt, weil er in Gedanken versunken ist wie sie. Einer unserer Seelenverwandten ist oft dabei in unseren Runden – mit seinem Arsenal an Loriot- und Asterixsprüchen, die wir früher hin- und hergerufen haben und jetzt fröhlich wiederholen. Genauso wie der Journalist mit am Tisch sitzt, der für seine letzte Reise in ein Kriegsgebiet das Neue Testament auf Griechisch eingepackt hatte. Seine Artikel kramen wir hervor, weil sie nach wie vor lesenswert sind.

Es ist Sommer und nicht November. Man kann in der aufblühenden Natur miteinander verzaubernde Erinnerungen sammeln, luftige Feste feiern, draußen bei Kerzenschein alte und neue Geschichten erzählen. Verabredungen treffen, Besuche machen, Hoffnungen pflegen und sich zu neuen Taten aufschwingen. Nichts auslassen, was möglich ist und der Seele Nahrung gibt. Leben eben, damit etwas bleibt.

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