Strandete für zwei Stunden in Prag: Christian S. © privat (2)
Eine Nacht in Zürich: Stefan Aupperle mit Sohn Tom.
Annulliert, verspätet: die Anzeigetafel im Terminal 2.
Einsatz wegen Brandgeruchs: Polizei steht vor dem Tower des Münchner Flughafens. © Sven Hoppe/dpa (2)
München – Christian S. (57) konnte den Münchner Flughafen schon sehen – da flog seine Maschine kurz vor 21 Uhr am Sonntag plötzlich eine Warteschleife in der Luft. Ein paar Minuten später drehte Flug LH 2455 aus Oslo ganz ab. Neues Ziel: Prag. Der Grund: Feueralarm im Tower. Der Flugbetrieb: eingestellt. Mitarbeiter der Deutschen Flugsicherung (DFS) hatten im Tower Brandgeruch festgestellt.
Wie sich später zeigte, gab es einen Defekt an einem Keilriemen in der Lüftungsanlage des Towers. Brandgeruch wurde festgestellt, aber „kein Feuer, kein Rauch“, das betont ein Flughafensprecher. Trotzdem: Die Feuerwehr räumte den Tower, von exakt 20.33 Uhr bis gegen 22.10 Uhr waren keine Starts und Landungen in München möglich – und das zum Ende der Pfingstferien. Flüge, die sich schon im Münchner Luftraum befanden, wurden von Kollegen der DFS an anderen Standorten übernommen und umdirigiert.
Der Vorfall traf den Flughafen an einer seiner neuralgischen Stellen. Ohne Tower keine Flüge, so einfach ist es. Zwar gibt es einen zweiten Tower am Satelliten des Terminal 2. Doch ein Wechsel auf die Schnelle ist nicht möglich. „Wenn es länger gedauert hätte, wäre dieser bezogen worden“, sagt die Sprecherin der DFS. Aber weil der Vorfall nur zwei Stunden dauerte, kam es nicht dazu.
Stefan Aupperle (41) und sein Sohn Tom (18) bekamen den Vorfall weit entfernt am Abflug-Gate des Züricher Airports mit. Ihr Flug mit Helvetic um 21.15 Uhr war bereits auf 22 Uhr verschoben worden – und wurde kurze Zeit später gestrichen. „Mein Sohn und ich kamen am Sonntag mit der Swiss aus Bangkok in Zürich an und mussten dort nach München umsteigen“, sagt der Münchner Bahn-Angestellte. „Ich stand gerade am Check-in-Schalter, als eine Nachricht auf meinem Handy aufploppte: Feueralarm am Flughafen München. Da wusste ich: Das wird heute nichts mehr – oder zumindest sehr eng.“
Aupperle sollte Recht behalten: „Tatsächlich wurde der Flug erst auf 22 Uhr verlegt, dann wurden wir auf den nächsten Tag umgebucht. Das ging aber zackig: Wir haben gleich einen Hotelgutschein bekommen, ein Shuttle wurde bereitgestellt.“
Insgesamt mussten in den knapp drei Stunden 40 Maschinen auf Ausweichflughäfen wie Frankfurt, Nürnberg oder Zürich landen. 24 von ihnen konnten nach Ende des Alarms wieder Richtung München abheben. Weil Landezeiten teilweise schon in die Münchner Nachtflugregelung fielen – ab 0 Uhr herrscht striktes Flugverbot –, erteilte das bayerische Verkehrsministerium für 30 Flüge eine Ausnahmegenehmigung. Der letzte Flug, ein voll besetzter Easyjet-Airbus nach London Gatwick, startete um 1.26 Uhr. 40 Flüge wurden annulliert.
Für Christian S. ging der Flug-Vorfall glimpflich aus. Nach zwei Stunden Warterei in Prag ging es zurück nach München. Gegen Mitternacht stieg er aus der Maschine. „Die Kommunikation des Kapitäns war hervorragend. Er hat sich sogar persönlich von den Passagieren verabschiedet. Auch am Gepäckband lief alles reibungslos und schnell – obwohl da sehr viel los war.“
Auch Stefan Aupperle sieht das Ganze gelassen: „Wir konnten am Montag in der Früh fliegen und waren gegen 8 Uhr in München. Ich habe dann im Homeoffice gearbeitet. Aber die Müdigkeit war schon extrem, ich hatte nach der 15-stündigen Reise aus Thailand nachts nur vier Stunden geschlafen.“ Aber was soll’s – für ihn war’s einfach höhere Gewalt: „Feueralarm ist Feueralarm.“THOMAS GAUTIER, DIRK WALTER UND DIETER PRIGLMEIR