Bayern sucht die Supernase

von Redaktion

Die Gründungsväter als Holzrelief: Michael Breitmoser, Anton Ebner und Max Reichart.

Jeder Millimeter zählt: Nasenclubpräsident Christian Reichart demonstriert, wie die Nasenlänge gemessen wird. Bei der WM wird ein elektronisches Messgerät benutzt. © Hammerl (3)

Langenbruck – Helga Reichart sitzt vor einem Kosmetikspiegel und bearbeitet ihre Nase. Nicht mit Make-up-Schwämmchen – sondern mit dem Hammer. Das hat ihr längst den Spitznamen Hammer-Helga eingebracht. Mit einem Hämmerchen klopft sie immer wieder gegen ihre Nase. Das verursacht Schwellungen, und die bringen kostbare Millimeter für kommenden Samstag. Denn dann steht im Gasthaus Fröhlich in Langenbruck (Kreis Pfaffenhofen) wieder die Nasen-Weltmeisterschaft an. Ausrichter ist der 1. Nasenclub der Welt – es ist bereits das neunte Mal, dass der weltgrößte Zinken gesucht wird. Gemessen werden Länge und Breite.

Training ist erlaubt – egal, ob mit Hammer, Nasenbohren oder anderen Hilfsmitteln. „Am wichtigsten sind Grimassen“, sagt Christian Reichart. Er ist Präsident des Nasenclubs und betont: „So lässt sich der ein oder andere Millimeter herausschinden.“ Doping hingegen ist auch bei dieser WM streng verboten, ergänzt sein Onkel Sepp Reichart. Deshalb werden die Nasenlöcher vor der Messung sorgfältig ausgeleuchtet, erklärt er. Schon einmal sind so zwei Betrüger aufgeflogen. Teilnehmer hatten sich Watte oder Papiertaschentücher in die Nase gestopft, damit sie breiter wird. Das haben sie bitter bereut: Sie wurden disqualifiziert und für die nächsten zehn Jahre bei der Nasen-WM gesperrt.

Den Nasenclub gibt es seit 1961. Wie es die Legende berichtet, war der niedrige Hopfenpreis der Auslöser – er soll für lange Gesichter und auch lange Nasen am Hopfenbauern-Stammtisch im Gasthaus gesorgt haben. Der damalige Wirt Max Reichart kam auf die Idee, einen Nasenclub zu gründen. Und er erklärte sich bereit, selbst den Vorsitz zu übernehmen. Ein Motto war schnell gefunden: „Ob griechisch, römisch oder krumm, d‘Hauptsach is a richtigs Trumm!“ Als wichtigstes Satzungsziel legten die Gründerväter von Beginn an die Pflege von Geselligkeit und Humor fest. Dieser Grundsatz wird bis heute gepflegt.

Aktuell hat der Nasenclub 160 Mitglieder. Das prominenteste: Mike Krüger. Aber auch der BR-Moderator Rudi Küffner ist beigetreten, nachdem er die Reicharts in seiner Sendung hatte. Im Anwerben sind die Naserten eh groß. Max Reicharts Sohn Gottfried brachte von jeder Kur mehrere Aufnahmeanträge mit. Deshalb sind auch einige Japaner, Österreicher, Holländer und Italiener Mitglied. Einziges Aufnahmekriterium: die Nase muss eine Mindestgröße aufweisen. 50 Millimeter Länge bei Männern, 40 bei Frauen. Oder alternativ 40 Millimeter Breite. Gottfried Reichart selbst war leider mit keinem auffällig großen Riechorgan gesegnet, durfte aber trotzdem das Präsidentenamt von seinem Vater übernehmen. „Der Präsident eines Kaninchenzuchtvereins ist ja auch kein Karnickel“, sagte sein Sohn Christian einmal, der wiederum das Amt von seinem Vater übernommen hat.

Früher wurden die Nasen noch manuell gemessen – mithilfe einer selbst gebauten abenteuerlichen Konstruktion: einer Schublehre, die mittels Mofabremskabel mit einem Zeiger verbunden war und so für Zuschauer das Messergebnis sichtbar machte. Doch auch im Nasenclub geht man mit der Zeit. Seit der letzten WM wird elektronisch gemessen – und unter juristischer Aufsicht. Es ist ja schließlich eine Weltmeisterschaft.

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