Ferber gibt Vorsitz der Hanns-Seidel-Stiftung ab

von Redaktion

Holetschek soll Amt parallel zum Fraktionsvorsitz übernehmen – „Wir haben die Finanzlage verbessert“

München – Überraschender Wechsel bei der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung. Nach sechseinhalb Jahren an der Spitze gibt der Europapolitiker Markus Ferber den Vorsitz ab. Das bestätigte er in einem Brief an die Mitarbeiter und die Führungsriege der Stiftung, der unserer Zeitung vorliegt. Er werde bei den Wahlen am 19. Juni nicht mehr zur Verfügung stehen und lege die Stiftung „mit einer Erfolgsbilanz in andere Hände“. Nachfolger soll Klaus Holetschek werden.

Ferber verweist in dem Schreiben auf seine EU-Verpflichtungen unter anderem als wirtschaftspolitischer Sprecher der EVP-Fraktion. „Nach reiflicher Überlegung glaube ich“, so Ferber, „dass ich der Stiftung nicht mehr die notwendige Aufmerksamkeit widmen kann, die sie absolut verdient hat.“

Der Reformdruck auf die Stiftung ist hoch. Ferber verweist auf Geleistetes bei der Digitalisierung, bei den Investitionen in den großen Immobilien am Münchner Hauptsitz und im Kloster Banz und der Neuordnung der Stipendiaten-Arbeit. „Gemeinsam konnten wir viel im Interesse der Stiftung erreichen. Auch die finanzielle Situation betreffend konnten wir trotz schwieriger Lage der öffentlichen Haushalte eine deutliche Verbesserung unseres Stiftungsvermögens erzielen. Darauf bin ich besonders stolz.“

Über die näheren Umstände des Wechsels äußerte sich Ferber nicht. Der 61-Jährige hatte im Januar 2020 den Vorsitz der Stiftung übernommen. Seine Vorgänger waren unter anderem Hans Zehetmair und Ursula Männle. Die Nachfolge wird in der Mitgliederversammlung der Stiftung gewählt. Mitglieder sind zahlreiche zumeist der CSU nahestehende Personen, darunter viele Spitzenpolitiker und einzelne Wissenschaftler. Parteichef Markus Söder kündigte vor Abgeordneten an, er werde Landtagsfraktionschef Holetschek (61) vorschlagen und ihn bitten, das Amt zusätzlich zu übernehmen.

Der Führungszirkel wird dann erweitert. Der niederbayerische Landtagsabgeordnete Stefan Ebner (45), den Söder schätzt, soll Generalsekretär der Stiftung werden. Ebner hatte zuletzt vertraulich an einem Reformkonzept für die Stiftung gearbeitet. Vizes bleiben Kerstin Schreyer, Susanne Breit-Keßler und Christian Schmidt, Geschäftsführer Josef Widmann. Die Stiftung solle „wieder ein think tank werden“, also eine Denkfabrik für die CSU, sagte Söder intern. Die Stiftung, überwiegend finanziert aus Bundesmitteln, arbeitet unter anderem in der politischen Bildung und in internationalen Kooperationen.

Holetschek hatte von Ferber auch den CSU-Bezirksvorsitz in Schwaben übernommen. Der Fraktionschef gilt, ebenso wie die jungen Abgeordneten, zu denen Ebner noch zählt, als sehr wichtiger Faktor für Söders Stabilität in der CSU.CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

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