Wer will Sisis Locke kaufen?

von Redaktion

Außergewöhnliche Objekte aus dem Nachlass der Herzöge in Bayern werden versteigert

Aus Silber und mit Gravur: Schokoladenkannen von Ludwig II.

Kaiserin Sisi ist berühmt – ihre Haare auch.

Legendäre Löckchen: Sisis Strähne (links in der Mitte) und die ihrer Geschwister.

München – Ihre Haare sind eine Legende, wie sie selbst. Kaiserin Sisi hatte Locken bis zum Boden, fünf Kilo schwer, an manchen Tagen bekam sie Kopfschmerzen vom Gewicht. Trotzdem waren sie ihr wichtig. Täglich mehrere Stunden pflegte und flocht Friseurin Fanny die kaiserliche Haarpracht. Angeblich waren sogar die Bürstenstriche abgezählt, und gewaschen wurden die Haare mit einer Mischung aus Cognac und Ei. Verehrer Ihrer Majestät werden es kaum glauben, aber: Eine Kinderlocke von Sisi wird nun versteigert. Schätzpreis: 500 Euro.

Es ist ein gewaltiger Katalog, den das Münchner Auktionshaus Scheublein zusammengestellt hat. Mehr als 1000 Objekte aus dem Nachlass der Herzöge in Bayern werden Ende Juni angeboten – und jeder kann mitbieten oder auch einfach nur zuschauen. Porträtminiaturen, Schmuckstücke aus dem engsten Familienbesitz, Besteck, Tabakdosen (allein davon über 100), kostbare Waffen, weit gereiste Koffer, Jagdröcke herzöglicher Forstbeamter.

„Das vielleicht außergewöhnlichste Objekt“, heißt es bei Scheublein: eine in Messing gerahmte Sammlung der Kinderhaare von der kleinen Elisabeth und ihren sieben Geschwistern, darunter Nené und das spätere Familienoberhaupt Herzog Carl Theodor. Heute noch schneiden manche Eltern ihrem Nachwuchs das erste Schneggerl ab und kleben es ins Baby-Album – vermutlich rückte damals Sisis Mutter Ludovika mit der Schere an. Ein zauberhafter Gedanke, wie das adelige Löckchen auf dem Sisi-Haupt sorgfältig abgeschnitten und aufbewahrt wurde. Für die Ewigkeit – und jetzt sogar für jedermann.

Kunsthistorikerin Verena Dirnberger hat die Pretiose für die Auktion katalogisiert – also Zustand und Material überprüft. Die Expertin ist begeistert: „Es ist eine Besonderheit, dass so etwas auf den Markt kommt“, sagt sie. „Ein Zeitdokument.“ Sie denkt, dass vor allem Sisi-Verehrer und Sammler, die alles aus dem Hause Wittelsbach interessiert, mitbieten werden.

Vielleicht ja auch für ein weiteres „Must-have“ für Sisi-Fans, wie das Auktionshaus wirbt: eine in Wien um 1854 angefertigte Porzellanfigur, die Prinzessin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph als Verlobte darstellt, er in Uniform, sie im Spitzenkleid (Schätzpreis 400 Euro). Oder ein Miniaturporträt von Sisis älterer Schwester Herzogin Helene, genannt Nené, für 300 Euro. Auch Hinterlassenschaften von Sisis Vater, Herzog Max in Bayern, kommen unter den Hammer. Zum Beispiel ein 48-teiliges Besteck mit seinem Monogramm, eigens in Paris angefertigt.

Besonders reizend sind auch die Objekte mit Bezug zum Märchenkönig, zu Ludwig II. Der hatte enge Verbindungen zur Herzogsfamilie. Für einen Startpreis von 1400 Euro werden zwei silberne Schokoladenkannen aus dem Jahr 1857 aufgerufen. Ludwig II., geboren 1845, war damals noch Kind und Kronprinz – und bekam vermutlich seinen heißen Kakao in den schlanken Kännchen mit dem schwungvoll eingravierten „L“ serviert.

Das „Spitzenlos“ der Auktion aus dem herzoglichen Nachlass ist ein prunkvoller Hirschfänger aus dem Besitz von Carl Theodor in Bayern (1839-1909), der ein leidenschaftlicher Jäger war. Die „spektakuläre Waffe“, so teilt Scheublein mit, wird auf 30.000 Euro geschätzt. Am Griff der Hauptwaffe und auch des Beimessers sind in Silber mit vergoldeten Partien Jagdszenen dargestellt, die Scheide ist aus grünem Samt gearbeitet. Carl Theodor hatte durchaus auch ein wenn man so will weltlicheres Leben. Als Augenarzt und Gründer einer Augenklinik an der Nymphenburger Straße operierte der Herzog unzählige Patienten – zum Andenken an seine 5000. Staroperation bekam er ein 124-teiliges Besteck für zwölf Personen geschenkt. Auch das kommt unter den Hammer.C. ZIMNIOK

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