Die neue Wunderlok von Siemens: der Vectron X. Hier steht die Lok noch auf dem Werksgelände von Allach. © dw
München – Ein „Computer auf Rädern“, ein „Smartphone mit 9000 PS“, oder schlicht „eine Revolution“: Um Superlative war Michael Peter, Chef von Siemens Mobility, nicht verlegen, als er am Dienstag im Werk München–Allach der Fachwelt die neue Wunder-Lok präsentierte: den Vectron X.
Vectron ist eine Lokomotive, die seit 2012 in unterschiedlichen Versionen fast 3000 Mal verkauft worden ist. Meist ziehen die 90 Tonnen schweren Kolosse auf Rädern Güterzüge auf den Gleisen quer durch Europa. Im Personenverkehr verzichten die großen europäischen Bahngesellschaften heutzutage meist auf lokbespannte Züge – auch wenn es Ausnahmen gibt wie etwa den neuen ICE-L der Deutschen Bahn, der mit Vectron-Loks bestückt ist. Die Bahnen setzen stattdessen auf Triebzüge. Käufer der Vectron mit einem Stückpreis von circa fünf Millionen Euro sind oft Leasinggesellschaften wie etwa ELL (European Locomotion Leasing). Leasingfirmen gehören zwei Drittel aller Vectrons, sagte Peter. Aber auch die Deutsche Bahn ist noch unter den Top 5 der Abnehmer.
Die neue Lokomotive ist voll digitalisiert, hat App-basierte Funktionen und Schnittstellen für Drittpartner. Anstehende Wartungen oder Auffälligkeiten werden digital erkannt – schon bevor die Lok routinemäßig in die Werkstatt rollt. Ein weiterer Vorteil, den Siemens anpreist: Die Lok kann schon aus der Ferne aufgerüstet werden. Das heißt, Computersysteme werden hochgefahren, die Lok ist fahrbereit, wenn der Lokführer in das mit vier Bildschirmen ausgerüstete Cockpit steigt. Siemens bietet auch an, ältere Vectron-Versionen digital nachzurüsten. Bei den allerersten Lokomotiven werde das freilich nur mehr schwer möglich sein, räumte ein Siemens-Manager ein.
In zwei neuen Industriehallen präsentierte Siemens den Bahnmanagern, die auch aus Österreich, Frankreich und Polen angereist waren, neben der Vectron X auch gleich noch das neue Rail Service Center – sprich: eine neue Werkstatt. Bisher war die Reparatur und Wartung von Loks nur ein Nischengeschäft, jetzt baut Siemens Mobility das aus und hat dafür 25 Millionen Euro in den Bau der Hallen investiert. Statt 25 könnten nun 80 Revisionen und Unfallinstandsetzungen im Jahr bewältigt werden, sagte der zuständige Siemens-Manager Elmar Zeiler. Bei der Werksführung wurde deutlich, wie das geht: Zwei Vectron-Loks, eine von der DB, eine aus der Schweiz, standen dort zur Revision. Die sogenannte „schwere Instandhaltung“ ist alle acht Jahre fällig, eine Million Kilometer Laufleistung hat jede der Loks hinter sich. Jetzt werden sie binnen zwei Wochen generalüberholt. „Das ist eine Spitzenleistung in Europa“, so der Werkstatt-Chef.DIRK WALTER