Die neue Lokführer-Schmiede

von Redaktion

S-Bahn eröffnet Ausbildungsakademie – Üben für künftige XXL-Züge

Am Simulator: der 17-jährige S-Bahn-Azubi Felix Heidecker.

Schlüsselübergabe: S-Bahn-Chef Glaub (li.) mit Ausbildungsleiter Hildmann.

Virtuelle Gefahrensuche: Der Lokführer wandert mit der VR-Brille durch den Zug und forscht nach einem gemeldeten Brand. © Marcus Schlaf (3)

München – Es gibt Simulatoren für virtuelle Fahrten mit Loks und S-Bahnen, Unterrichtsräume und sogar eine Modelleisenbahn: Die S-Bahn München hat gestern auf dem Werksgelände in München-Steinhausen ihre neue Ausbildungsakademie eröffnet. Der zehn Millionen Euro teure Bau am Rande der Gleise der S-Bahn-Werkstatt sei „ein wichtiger Bau für die Zukunft“, sagte S-Bahn-Chef Matthias Glaub. Denn: Hier soll in eineinhalb Jahren an zwei Simulatoren die Fortbildung für die neuen 200 Meter langen XXL-Fahrzeuge starten.

Da die neuen S-Bahnen digitalisierte Führerstände erhalten, müssen alle Lokführer noch mal zur Schulung. Die durchgängigen Züge (ähnlich wie bei der neuen U-Bahn) sollen ab Ende 2028 Stück für Stück in München eingesetzt werden. Derzeit entsteht ein erster Prototyp der Baureihe 1420 bei Siemens Mobility in Krefeld.

Doch noch lernen die rund 100 Auszubildenden der S-Bahn in drei Jahrgängen hauptsächlich für die herkömmlichen Fahrzeuge der Baureihe 423. Einer von ihnen ist Felix Heidecker aus Glonn (Kreis Ebersberg), S-Bahn-Azubi im ersten Lehrjahr. Der 17-Jährige ist am 1. September nach der Mittleren Reife gestartet und hat auch schon einige Fahrten mit dem Ausbilder absolviert. „Meine erste Fahrt ging nach Erding“, erzählt er. Wenn er seine Ausbildung zum Eisenbahner im Betriebsdienst in drei Jahren planmäßig abschließt, ist er erst 19 1/2 – zu jung, um schon auf dem S-Bahn-Netz zu fahren, denn das darf man erst ab 20. „Ich werde wohl ein halbes Jahr Rangierfahrten auf dem Betriebsgelände machen“, sagt Felix. Nach wie vor ist Lokführer ein Männerberuf. Unter den 30 Auszubildenden, die in drei Klassen geschult werden, sind nur drei Frauen.

Die neue Akademie mit einem lichtdurchfluteten, gestuften Vorlesungs-Foyer wie in einer kleinen Uni bietet den Azubis eine Ausbildungsstätte, von der andere Berufsgruppen wohl nur träumen können. Es gibt Kreativräume und Dachterrassen „zum Entspannen und Runterkommen“, wie Ausbildungschef Marc Hildmann sagt. Es gibt ferner ein Podcast-Studio, in dem Beiträge zu fachlich-betrieblichen Fragen entstehen – „Eisenbahn für die Ohren“ (Hildmann). In einem Studio üben Lokführer mit einer VR-Brille virtuell, wie sie gefährliche Situationen managen können, etwa einen Schwelbrand in einem WC. Und auch die Modelleisenbahn sei, wie Hildmann versichert, nicht bloße Spielerei: Hier sollen Betriebssituationen, etwa das Überholen von Zügen, simuliert werden. Neben den Azubis sollen in der Akademie auch etablierte Lokführer Fortbildungen erhalten.

Auch wenn es bei der S-Bahn derzeit keinen Mangel an Lokführern gibt, will S-Bahn-Geschäftsführer Glaub, der früher Personalchef war, bei der Rekrutierung neuer Leute nicht nachlassen. Motto: nur nicht schludern, denn schnell können bei der Bahn gefährliche Personallücken entstehen. Fahrt-Ausfälle wegen akutem Personalmangel kommen bei der Bahn immer wieder mal vor – bei der S-Bahn München aber nicht, wie Glaub versichert. Wenn die 2. Stammstrecke einmal in Betrieb geht (vermutlich Mitte der 2030er-Jahre), dann werde die S-Bahn auch mehr Personal benötigen, rechnet er vor. Derzeit gibt es etwa 800 Lokführer, dann sollen es mindestens 1200 sein. Auch Quereinsteiger sind daher weiter willkommen. Bäcker, Handwerker anderer Berufe zum Beispiel. Sie können in neun Monaten in einer Schnell-Ausbildung zum Lokführer umschulen. „Wir hatten sogar schon eine Bewerbung von einem mexikanischen Staatsanwalt.“DIRK WALTER

Artikel 1 von 11