Eine Gemeinde unter Schock

von Redaktion

Große Trauer und Fassungslosigkeit nach dem tragischen Bus-Unglück im Kreis Dachau

Der Reisebus, in dem die Schüler zum Ausflug gefahren waren. © Höltl

Blumen, Kerzen und ein Kuscheltier erinnern an das schwere Bus-Unglück im Kreis Dachau, bei dem ein Zweitklässler ums Leben kam. © Sven Hoppe/dpa

Hebertshausen – Als Dachaus langjähriger Landrat Stefan Löwl am Mittwochabend vor die Presse tritt, spricht er von einem Tag, den er in seiner gesamten Amtszeit noch nicht erleben musste. Als Vater von drei Kindern wisse er, was es bedeute, sein Kind morgens zu einem Schulausflug zu verabschieden – und könne sich kaum vorstellen, wie schlimm es sein muss, es abends nicht mehr zurückzubekommen. Nach dem schweren Busunglück am Mittwoch sitzt der Schock im Dachauer Land tief. Ein siebenjähriger Zweitklässler hat sein Leben verloren. Dutzende Grundschüler, zwei Busfahrer und eine Lehrerin wurden teilweise schwer verletzt.

Gestern konnte die Polizei vermelden, dass die Schwerverletzten mittlerweile außer Lebensgefahr sind. An der Grundschule Haimhausen herrschte gestern Fassungslosigkeit. „Unser Fokus liegt auf der Betreuung und Unterstützung unserer Schüler, ihrer Familien und der gesamten Schulgemeinschaft“, sagte die Schulsekretärin Anita Demmler. Hierfür arbeitet die Schule mit geschulten Fachkräften sowie den vorgesetzten Dienststellen zusammen. Sobald es die Umstände zulassen, werde man sich mit einer Stellungnahme an die Öffentlichkeit wenden. Noch am Mittwochabend wurde die St.-Nikolaus-Kirche in Haimhausen geöffnet, um den Menschen einen Raum zu geben, die Tragödie zu verarbeiten. „Es wurde wenig gesprochen“, sagt die katholische Gemeindereferentin Mandy Adam. 30 bis 40 Menschen seien da gewesen, manche hätten geweint, viele hätten still gesessen. Gemeinsam habe man das Vaterunser gebetet, auch Adams evangelische Kollegin Mirjam Pfeiffer war da. „Die Trauer war sehr groß. Die Leute haben vor allem einen Ort gebraucht, an dem sie sein können“, sagt die 51-Jährige. Was am Mittwoch auf der Staatsstraße passiert ist, sei für viele im Ort unbegreiflich, sagt Adam. „Jeder hier kennt jemanden, der dort ein Kind hatte. Es ist ein Schock für die Gemeinde.“ Viele Väter im Ort sind bei der Freiwilligen Feuerwehr und wegen des Unfalls im Einsatz gewesen – auch sie lässt das Erlebte nicht los.

Bürgermeister Stefan Jänicke-Spicker, der als Kommandant der Haimhauser Feuerwehr am Mittwoch an der Unfallstelle im Einsatz war, und die Gemeindeverwaltung kümmern sich ebenfalls um seelsorgerischen Beistand. In Absprache mit der Kirchengemeinde und der Schule wird die Pfarrkirche St. Nikolaus am morgigen Samstagabend ab 18 Uhr geöffnet.

Die Polizei ermittelt derzeit unter Hochdruck zur Ursache des Unglücks. Die beteiligten Busse werden von einem Gutachter untersucht. Dabei geht es etwa darum, zu klären, ob technische Probleme zu dem Unfall geführt haben könnten, erklärte ein Polizeisprecher. Schnelltests am Abend zeigten, dass die Busfahrer nicht alkoholisiert waren. Gestern Nachmittag teilte die Polizei dann mit, dass der Linienbus, der nur mit dem Fahrer und zwei Fahrgästen besetzt war, wohl in den Gegenverkehr geraten war. Hinweise auf überhöhte Geschwindigkeit gebe es nicht.NO/ZIP/DPA

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