Vor Kurzem hat Agnes einen Ausflug allein unternommen. Als Klara und ich sie abends fragten, wo sie gewesen sei, antwortete sie: „Das kann ich euch gar nicht so genau quaken. Ich bin ein ganzes Stück nach Osten geflogen, dann ein paar Kilometer Richtung Süden, bis ich mich gar nicht mehr auskannte. Und irgendwann war ich mitten in der Walachei.“
„Wo warst du?“, hakte Klara nach. Ich kratzte mich nachdenklich am Kopf. „Die Walachei liegt doch in Rumänien. So weit weg warst du?“, schnatterte ich ungläubig. „Ja und nein“, quakte Agnes zurück. „Ja, die Walachei ist tatsächlich eine Landschaft in Rumänien. Und nein, natürlich war ich nicht wirklich dort. Die Walachei wird sprichwörtlich gebraucht, wenn man ausdrücken möchte, dass ein Ort weit weg und sehr abgelegen ist. Wenn ein Zweibeiner sagt: „Der hat mich bis in die Walachei geschickt“, möchte er damit sagen, dass er eine weite Strecke zurücklegen musste.“
„Ist die Walachei der Ort, wo der Pfeffer wächst?“, erkundigte sich Klara. „Nein, Pfeffer wächst noch weiter weg, zum Beispiel in Südamerika oder Südostasien“, wusste Agnes. „Wenn ein Zweibeiner einen anderen dorthin wünscht, wo der Pfeffer wächst, will er sagen, dass derjenige möglichst weit weg verschwinden soll. Es gibt noch andere Sprüche mit solchen Orten. Kennt ihr JWD? Das ist ursprünglich Berlinerisch und heißt ‚janz weit draußen‘. Inzwischen wird der Ausdruck überall in Deutschland verstanden.“
Eure Paula