Fachkräftemangel am Altar

von Redaktion

Kardinal Marx bei einer Priesterweihe vor einigen Jahren im Liebfrauendom. © Robert Kiderle

München – In allen bayerischen Bistümern gibt es heuer wieder Priesterweihen. Das ist in Zeiten des grassierenden Fachkräftemangels in der katholischen Kirche bemerkenswert. Denn noch vor einem Jahr wurden im Erzbistum München-Freising sowie in den Bistümern Passau und Eichstätt gar keine Diözesenpriester geweiht. Insgesamt gab es nur sechs neue Priester. Heuer sind es elf Männer. Immerhin.

Denn die Zahl der Neupriester sinkt bundesweit seit Jahren rapide. Laut Statistik der Deutschen Bischofskonferenz feierten die Diözesen im Jahr 1962 noch 557 Priesterweihen. 2025 waren es bundesweit gerade einmal 25.

Dazu kommt, dass starke Jahrgänge, in denen noch viele junge Männer Priester geworden sind, nun in Rente gehen. Die meisten Bistümer reagieren auf den Priestermangel, indem sie die Strukturen ändern. War vor Jahrzehnten noch ein Pfarrer für eine Gemeinde zuständig, so sind heute viel größere Konstrukte entstanden, Seelsorgeeinheiten etwa, in denen viele Gemeinden gebündelt sind. In vielen Kirchen gibt es längst nicht mehr jeden Sonntag oder an jedem Feiertag Gottesdienste. Auch neue Leitungsmodelle und Verwaltungsformen werden erprobt, etwa im Erzbistum München mit dem Einsatz „kollegialer Teams aus Haupt- und Ehrenamtlichen zur Leitung von Seelsorgeeinheiten“.

Dass diese Zusammenlegungen Nähe zu den Menschen kosten könnte, fürchten etwa Reformkräfte, die in einem Papier zum Katholikentag im Mai gefordert hatten: „Wir wollen eine Kirche, die Hoffnung gibt, die nah bei den Menschen ist, die sich nicht in XXL-Pfarreien selbst verwaltet und die das Gemeinwohl zum Ziel hat.“

Aber auch die Zahl der Kirchenmitglieder sinkt Jahr für Jahr: Die bayerischen Bistümer haben im vergangenen Jahr mehr als 81.800 Mitglieder durch Kirchenaustritte verloren. Etwa 5,389 Millionen Menschen im Freistaat gehören noch der katholischen Kirche an. In den größten Städten Bayerns, München und Nürnberg, ist längst mehr als die Hälfte der Bevölkerung nicht mehr Mitglied der katholischen oder evangelischen Kirche.

Katholische Milieus, in denen sich junge Männer einen Lebensweg als Priester vorstellen können, schwinden. Und dann gibt es ja auch noch das Zölibat. Wer Priester wird, verpflichtet sich zu Ehelosigkeit und „Enthaltsamkeit“, wie es im Kirchenrecht heißt. Daran gibt es seit vielen Jahren Kritik, doch eine Aufweichung zeichnet sich bislang nicht ab. Vielmehr ist die Zölibatsfrage zum Streitthema zwischen konservativen und reformorientierten Kräften geworden.

Bei der Diakonenweihe kürzlich in München sagte der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, die Weihekandidaten sollten versuchen, dass deren Versprechen der Ehelosigkeit „ein Zeichen wird, dass ihr euer Leben gebt“. Das Versprechen bedeute nicht einfach Verzicht, „sondern ihr gebt etwas“. Um dieses Zeichens willen halte die Kirche daran fest, wenngleich es in Zukunft auch neue Formen geben könne.

Und dass Frauen in der katholischen Kirche vielleicht auch eines Tages geweiht werden könnten? Auch hierzu ist aus dem Vatikan nichts zu hören. Auf dem Katholikentag beklagten die Reformkräfte „den Klerikalismus einer Zwei-Klassen-Kirche“ und forderten die „Gleichberechtigung aller Geschlechter“. Denn: Trotz alternativer Leitungsmodelle und gut ausgebildeter Theologinnen bleibt die katholische Kirche männlich geprägt, weil eben nur Männer zu Weiheämtern zugelassen sind.

Priesterweihen sind für die Bistümer große und festliche Termine. In Eichstätt und in Würzburg wurden heuer die Kandidaten bereits geweiht, die anderen bayerischen Bistümer folgen am 27. und 28. Juni. Im Erzbistum München-Freising wird Erzbischof Kardinal Reinhard Marx im Freisinger Mariendom drei Männer zu Priestern weihen.K. ZEILMANN

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