In fast jedem Bundesland werden die Gedenkstätten-Stiftungen, die für Erinnerungsorte und ehemalige Konzentrationslager zuständig sind, von Historikern geführt. Manche sind bundesweit bekannt, etwa Jens-Christian Wagner, der die Einrichtung in Thüringen führt und für seine Auseinandersetzung mit der AfD bekannt ist. Nur Bayern pflegt wieder einen Sonderweg. Eine Doppelspitze mit einem aktiven CSU-Politiker als repräsentativem Präsidenten und einer Geschäftsführung ist nicht nur teuer, sondern könnte auch dazu führen, dass die Stiftung mit zwei Zungen spricht. Nötig ist aber schon ein Kopf, der für das Ganze steht – und der sollte ein ausgewiesener Fachhistoriker sein. Zugleich sollte in der Satzung eine klare Stellungnahme gegen rechten Extremismus verankert werden. Im Klartext: Es sollte festgeschrieben werden, dass kein AfD-Vertreter zu Gedenkveranstaltungen eingeladen wird, solange die AfD auf klarem völkischem Kurs ist. Merkwürdig, dass CSU und FW da herumdrucksen.
Das alles bedeutet nicht, die Verdienste von Karl Freller runterzuschreiben. Er hat die Stiftung mit Leidenschaft aufgebaut und mit Verve den Kontakt mit Holocaust-Überlebenden gesucht. Aber nach 18 Jahren im Amt sollte er selbst überlegen, ob es nicht Zeit ist, jüngere Leute ranzulassen. Ein Generationswechsel gehört zur Modernisierung. Dass er nun zu einer Art Frühstücksdirektor mit rein repräsentativen Aufgaben „befördert“ wird, kann ihm eigentlich selbst nicht recht sein.