Ein Siemens Desiro HC im Hauptbahnhof. © wikipedia
München – Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) will trotz Finanzierungsschwierigkeiten das Zugangebot in Bayern ausbauen. Mehrere Projekte sind geplant, erläuterte Geschäftsführerin Bärbel Fuchs gestern in München. So soll der RE 1 München–Nürnberg ab Ende 2028 moderne Siemens-Fahrzeuge bekommen, die die störanfälligen Züge des Herstellers Skoda ersetzen.
Auch bei der Werdenfelsbahn sind Investitionen geplant: Ab Ende 2027 sollen vier fünfteilige Siemens-Züge des Typs Desiro fahren – und zwar zusätzlich zu den bisherigen Zügen, wie Fuchs betonte. „Wir haben im Zuge der MVV-Erweiterung eine höhere Nachfrage“, sagte der zuständige BEG-Planer. Die Desiro-Züge haben in der Mitte einen Doppelstock-Teil. Sie sind baugleich mit jenen Zügen, die unter dem Namen Donau-Isar-Express nach Passau fahren. Die BEG hofft, dass so bei Engpässen leichter Züge hin- und hergetauscht werden können. Am Ende des Prozesses sollen in Bayern nur noch fünf bis sechs Bauarten im bayerischen Regionalverkehr unterwegs sein.
Weitere Projekte, die die BEG plant: Der Betrieb von Akku-Zügen auf der Strecke des RE 70/76 München–Kempten–Oberstdorf/Lindau ab Dezember 2033. Auch auf drei nicht-elektrifizierten Nebenlinien sollen, wohl ab Ende 2032, Akkuzüge verkehren: RB 14 Ingolstadt–Eichstätt sowie RB 67 Augsburg–Geltendorf.
Die in der Öffentlichkeit wenig bekannte BEG, die dem bayerischen Verkehrsministerium untersteht, feiert in diesem Jahr ihr 30-jähriges Bestehen. Die BEG bestellt unter dem Slogan „Bahnland Bayern“ den Regionalverkehr bei Verkehrsunternehmen und kann dafür die Regionalisierungsmittel des Bundes, derzeit rund zwei Milliarden Euro jährlich, eigenständig einsetzen. „Seit 30 Jahren stehen S-Bahn und Regionalverkehr in der Verantwortung des Freistaats“, resümierte BEG-Chefin Bärbel Fuchs. Seit der Liberalisierung des Bahnverkehrs 1996 habe sich die Fahrgastnachfrage in Deutschland mehr als verdoppelt. Das Regionalzug-Angebot in Bayern sei von 82,3 Millionen Zugkilometern (1996) auf 136,6 Millionen gestiegen, ein Zuwachs von 66 Prozent (in Oberbayern 54 Prozent). „Unsere Züge fahren täglich neun Mal um die Erde“, sagte Fuchs. „Für viele Fahrgäste ist das Angebot selbstverständlich.“ Ein Beispiel für den Fortschritt: die Oberlandbahn. Die Zahl der Verbindungen an Werktagen auf der Strecke Lenggries–München sei von zwölf (1996) auf heute 28 täglich gestiegen. Während 1996 der erste Zug ab Lenggries um 5.50 Uhr fuhr, der letzte um 19.09 Uhr, reiche das Angebot heute von 4.31 Uhr bis 22.47 Uhr. Noch eine Zahl: An 92 Prozent der 1079 Bahnhöfe in Bayern halte mindestens einmal in der Stunde ein Zug.
Hoffnung auf Reaktivierung weiterer Bahnstrecken konnte Bärbel Fuchs nicht machen. Trotz positiver Fahrgast-Prognose stecke zum Beispiel die Planung für Personenverkehr auf der Strecke der Fuchstalbahn Schongau–Landsberg noch ganz am Anfang. Vorrang hat, den jetzigen Verkehr trotz Finanzproblemen des Bundes aufrechtzuerhalten. „Wir sind nicht bereit, Züge abzubestellen“, betonte Fuchs.
Es sei ein Jammer, dass die aktuellen Probleme diese „Erfolgsgeschichte“ in den Hintergrund dränge, sagte Bärbel Fuchs, die eingestand: „Viel zu viele Züge sind verspätet oder fallen aus.“ Die Pünktlichkeit der Regioflotten in Bayern habe den schlechtesten Wert seit mindestens 2017 (wir berichteten). Doch dabei sei die Deutsche Bahn gefragt, nicht die BEG.DIRK WALTER