Wie kommen Häftlinge an Handys?

von Redaktion

Telefone sind im Gefängnis eigentlich tabu – doch der Schmuggel floriert, wie neue Aufnahmen zeigen

Die Justizvollzugsanstalt Bamberg.

Entspannt: ein Häftling mit Handy im Bett.

Ein Häftling telefoniert in einer Zelle der JVA Bamberg. © Privat (2)/Imago

München/Bamberg – Der Häftling scrollt im Bett entspannt über den Bildschirm. Ein anderer telefoniert am Tisch in der Zelle. Zwei Inhaftierte boxen – ein Dritter filmt sie dabei. Finde den Fehler. Die Smartphones sind es natürlich. Die sind in Bayerns Gefängnissen strikt verboten. Doch Aufnahmen aus der Justizvollzugsanstalt (JVA) Bamberg zeigen Häftlinge, die ganz selbstverständlich damit hantieren. Als wären sie zu Hause auf der Couch.

Die Aufnahmen wurden unserer Zeitung zugespielt. Sie stammen aus dem Januar 2026. In einem Video filmt ein Mann zwei Bekannte. Alle sitzen in der JVA Bamberg in U-Haft. Die Männer sitzen an einem Tisch, auf dem Brot, Käse und Tomaten zum Essen bereitstehen. Im Hintergrund läuft der Fernseher, man hört den Hip-Hop-Hit „Gangsta’s Paradise“. Auf dem Tisch liegt ein schwarzes Mobiltelefon. Einer der Männer nimmt das Gerät und hält es sich ans Ohr.

Auf Anfrage bestätigt Bayerns Justizministerium die Echtheit der Videos. „Die Aufnahmen wurden in einem Haftraum der JVA Bamberg angefertigt und sind der Anstaltsleitung seit dem 18. Mai 2026 bekannt“, sagt eine Sprecherin. Die Handys seien „im Februar“ sichergestellt worden, „was von der Anstaltsleitung disziplinarisch auch geahndet wurde“. Die Strafe: Arrest.

Der Mann, der seine Mithäftlinge filmte, ist ein polnischer Juwelenräuber. Im Mai 2026 stand er vor Gericht in Bamberg. Dabei kam raus: Er telefonierte im Knast ziemlich viel, plante von dort aus sogar neue Taten.

Laut Justizministerium ist das kein Einzelfall. „Eigene Mobiltelefone zum Zwecke der Kommunikation sind in bayerischen Justizvollzugsanstalten aus Sicherheitsgründen nicht zugelassen“, sagt die Sprecherin. Dennoch: „Heimliche Handykommunikation von Gefangenen stellt die Justizvollzugsanstalten bundesweit vor Herausforderungen.“

Genaue Zahlen gebe es nicht – dafür viele Vorkehrungen, um Handyschmuggel zu verhindern: Gefangene werden laut Sprecherin nach Besuchen oder nach Ausgang durchsucht – regelmäßig auch in der Anstalt. Dabei kämen elektronische „Handyfinder“ zum Einsatz. Ebenso würden alle Fahrzeuge kontrolliert. Freigelände der JVAs würden „täglich teils mehrmals abgesucht“ – weil ständig jemand Gegenstände über die Gefängnismauern wirft oder mit Drohnen abwirft. Beim polnischen Juwelendieb schmuggelte laut „Fränkischer Tag“ seine Frau ein Smartphone in den Bau. Andere Geräte wurden von Bandenmitgliedern in den Innenhof geworfen – Beamte fanden auch acht Handys auf dem Dach. Ein weiteres fanden Justizbeamte in der Unterhose des Mannes.

Laut Justizministerium sind auch Pakete von außen „für die Gefangenen nicht mehr zugelassen“ – weil die Verbrecher „in vermeintlich unversehrten Keksschachteln, Dosen oder auch Wurststangen“ Handys oder Drogen verstecken. Sogar Wachleute werden zu Schmugglern. 2025 landete eine Vollzugsbeamtin (38) der JVA Regensburg in U-Haft. Sie soll Handys und Drogen gegen Geld ins Gefängnis eingeschleust haben. In der JVA Kaisheim (Landkreis Donau-Ries) soll ein Beamter 22 Handys eingeschleust haben – für 1000 Euro pro Gerät. Im Münchner Gefängnis Stadelheim geriet selbst ein Seelsorger unter Schmuggelverdacht.

Laut Justizministerium ist es unmöglich, Handys vollständig aus dem Knast herauszuhalten: „Eine vollständige Abschottung der Justizvollzugsanstalten ist wegen des für die Versorgung mit Verpflegung und Waren aller Art erforderlichen Lieferverkehrs und der Vielzahl gesetzlich vorgeschriebener Außenkontakte der Gefangenen nicht möglich.“ Neben Mobiltelefonen würden auch Drogen oder „manipulierte Alltagsgegenstände“ wie Besteck (gemeint sind vor allem Messer) und Elektrogeräte sichergestellt.THOMAS GAUTIER

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