Martin Fleischer und Lena Ernst tragen ihre rot-blaue Jacke der Bergwacht. © Lilli Schaule
München – Das Edelweiß prangt auf der blauen Hardshell-Jacke mit den roten Bauchtaschen, „Bergwacht Bayern“ steht unter der Alpenblume. Die Schutzkleidung in Signalfarben tragen die Bergretter eigentlich bei ihren Einsätzen in den Bergen – heute in der Versicherungskammer. Denn: Das Unternehmen lädt erstmals seine Mitarbeiter in München zum „Tag der Dienstkleidung“. Ziel der Aktion sei, das uniformierte Ehrenamt und seine Bedeutung für die Gesellschaft zu würdigen, sagt Konzernsprecher Ralf Wengerter. Rund 40 Kollegen werden in Dienstkleidung erwartet.
Darunter sind einige Chefs, sogar einer der obersten: Auch Martin Fleischer, Vorstandsmitglied der Personenversicherer im Versicherungskammerkonzern, und Lena Ernst, Projektleiterin bei den Personenversicherern, sind dabei – in ihren rot-blauen Jacken der Bergwacht. Fleischer engagiert sich seit 36 Jahren als Bergretter in Bad Tölz, auch im Stiftungsrat der Bergwacht Bayern ist er aktiv. Ernsts Ausbildung bei der Bergwacht Lenggries läuft seit zwei Jahren. Weil ihre Dienstgebiete nah beieinander liegen, sind sie auch zusammen bei Einsätzen. „Unter der Woche Vorgesetzter, am Wochenende Kameraden“, sagt Ernst über ihr Ehrenamt.
Beim Klettern, auf Skiern oder im Gleitschirm: „Wir bergen und retten aus unwegsamem Gelände und übernehmen dort die notfallmedizinische Versorgung“, erklärt die 33-Jährige ihre Aufgabe bei der Bergwacht. Auch Katastrophen- und Naturschutz gehören dazu.
Als Bergretter will Fleischer etwas der Gemeinschaft zurückgeben und für sich selbst tun. Er schätzt die Kameradschaft, liebt die Berge. „Menschen in Not zu helfen, tut gut – wenn man das noch mit netten Kameraden machen darf, doppelt“, sagt der 51-Jährige. Ernst sagt, sie habe vor ihrer Ausbildung gezweifelt, ob sie die Voraussetzungen der Bergwacht erfüllt. Doch schnell merkte sie: „Jeder geht wirklich nur so weit, wie er es sich zutraut.“ Einmal habe sich eine Dame zum Jahrestag ihrer Rettung auf der Wache bedankt, das habe sie besonders berührt.
Rund ein Wochenende im Monat engagieren sich Fleischer und Ernst ehrenamtlich als Bergretter. Plus Ausbildungseinheiten. 13 Einsätze an einem Tag waren in diesem Jahr für Fleischer die Spitze. „Natürlich passiert auch unter der Woche etwas, dann muss auch jemand verfügbar sein“, erklärt er. Per Piepser oder App komme dann eine Nachricht. Für die Bergwacht habe er schon sein Büro oder das Homeoffice verlassen müssen; auch seine Familie bringe dafür Verständnis auf. Abwägen müsse er immer.
Die Versicherungskammer stelle Mitarbeiter für einige Ehrenämter – etwa beim Roten Kreuz oder der Wasserwacht – frei, erklärt Konzernsprecher Wengerter. Vorstand Fleischer befürwortet Flexibilität im Job für das Ehrenamt. „Arbeitgeber können so die Verpflichtung unterstützen, etwas für die Gesellschaft zu tun.“ Das gehe aber nicht immer – etwa im Krankenhaus.
Das Ehrenamt hat laut Fleischer einen „sehr hohen Stellenwert“ in der Gesellschaft. Trotzdem müssten sich noch mehr Menschen engagieren. Denn: Ehrenamt werde überall gebraucht. Hier möchte die Versicherungskammer mit dem „Tag der Dienstkleidung“ ansetzen. Info-Stände und Geräte von Ehrenamtsorganisationen und der Bundeswehr, ein Bühnenprogramm und die Belegschaft in Dienstkleidung sollen auf das Ehrenamt aufmerksam machen.
Auf den Tag freuen sich Martin Fleischer und Lena Ernst. Fremd fühle sich die rot-blaue Jacke bei der Arbeit für Fleischer nicht an – im Gegenteil. „Ich begrüße den Tag der Dienstkleidung sehr und unterstütze das Ehrenamt gerne und so oft es geht.“ Für Ernst steht fest: „Ich trage die Jacke sehr gerne. Ich freu mich, an diesem Tag die Bergwacht vertreten zu dürfen.“ Auf die Reaktion ihrer Kollegen ist sie trotzdem gespannt.LILLI SCHAULE