Die Tarife sind auf einem Schild aufgelistet.
Auf diesem Netto-Parkplatz in der Münchner Zielstattstraße kann man auch nach Feierabend und am Wochenende parken. © Marcus Schlaf (2)
München – In Schwabing liegt die Viktor-Scheffel-Straße, ein paar Gehminuten von der Münchner Freiheit entfernt. Dort gibt es ein Problem mit einem sperrigen Namen: Parksuchverkehr. Wie der Verein „Mobil in Deutschland“ mitteilt, haben vier von fünf Autofahrten in dieser Straße den Zweck, einen Parkplatz zu finden. Für ganz Schwabing nennt der Verein eine gewaltige Zahl: Die Autofahrer fahren dort täglich 80.000 Kilometer, nur um einen Parkplatz zu suchen. Also zweimal um die Welt. Die Studie, die den Zahlen zugrunde liegt, ist aus dem Jahr 2017, also nicht ganz neu. Aktuellere Daten liegen laut ADAC nicht vor. Aber das Problem dürfte sich in den vergangenen Jahren eher noch verschärft haben: In München und vielen anderen Städten, auch kleineren, gibt es zu wenige Parkplätze. Vor allem in den Zentren.
Jetzt gibt es eine Initiative, die das Parkplatzproblem mancherorts lösen oder zumindest lindern soll – und zwar von verschiedenen Discountern. Netto zum Beispiel hat Anfang April den sogenannten „Service Feierabendparken“ an rund 150 Standorten gestartet – weitere sollen folgen. In München sind es derzeit zwei. Aber auch in kleineren Orten gibt es das Angebot, etwa in Hallbergmoos (Kreis Freising), Eichstätt, Garmisch-Partenkirchen und Weilheim.
Wie funktioniert‘s? Normalerweise dürfen Kunden von Supermärkten für die Dauer des Einkaufs kostenlos parken, in der Regel sind das 90 Minuten. Abends, nachts und am Sonntag gilt Parkverbot. So bleiben große Flächen ungenutzt, während viele Anwohner nach Feierabend durch die Straßen kurven müssen, um einen Stellplatz zu finden. Netto beschreibt das in einer Mitteilung so: „Gerade in urbanen Stadtgebieten wie Weilheim steigt der Parkdruck seit Jahren, während verfügbare Flächen rar sind.“ Darauf reagiere man nun mit einer digital gesteuerten Lösung. In der Zeit von 18 bis 8 Uhr können laut Netto ca. 20 Prozent der Stellplätze angemietet werden.
Die Kosten dürften deutlich unter denen für ein Parkhaus oder einen privat gemieteten Stellplatz liegen: Eine Nacht kostet drei Euro, eine Woche 16 Euro, ein Monat 40 Euro. Netto bietet das zusammen mit einem Parkraumbewirtschaftungsunternehmen an. Die Buchung der Parkplätze erfolge flexibel und über eine App oder die Webseite des Partnerunternehmens, zum Beispiel, indem man den QR-Code auf den Parkplatzschildern scannt. Das System funktioniert ohne Parktickets, Schranken oder Personal. Kameras erfassen das Kennzeichen automatisch und die Abrechnung läuft digital.
Bei der Stadt Weilheim heißt es: „Für leidgeprüfte parkplatzsuchende Anwohner ist das eine gute Sache.“ Das Ganze könne „ein bisschen Entlastung in der Altstadt“ bringen. Und auch der bayerische Städtetag sieht die Initiative positiv: „So wird die knappe Ressource Parkplatz in der Stadt besser genutzt und der Parksuchverkehr reduziert“, sagt ein Sprecher. Der ADAC Südbayern befürwortet es, „dass Unternehmen ihre Parkflächen außerhalb der Öffnungszeiten zur Verfügung stellen“. Wichtig sei nur, dass die Gebühren für die Anwohner nicht zu hoch sind. Netto weist noch darauf hin, dass damit auch der Flächenverbrauch reduziert wird. Ein drängendes Thema: Der tägliche Flächenverbrauch in Bayern liegt laut Landesamt für Statistik bei 9,8 Hektar, das sind 14 Fußballfelder. Besonders rasant wird Fläche in Oberbayern verbraucht.
Netto mit seinen 4430 Filialen bundesweit ist nicht die erste Supermarktkette, die auf die Idee mit dem Feierabendparken gekommen ist. Schon 2024 hat Lidl (3200 Filialen) das Feierabendparken in Düsseldorf getestet, seither wurde es auf weitere Standorte etwa in Hamburg ausgeweitet. Auch Aldi Süd bietet den Service an, seit Februar etwa in Augsburg. In manchen Städten gibt es das Feierabendparken auch bei Norma, etwa in Fürth.
Wie das Angebot bei den Kunden ankommt, ist nicht bekannt. Lidl etwa teilt auf Anfrage mit, dass man sich dazu nicht äußern möchte. Dass Städte die Idee gut finden, zeigt das Beispiel aus Erlangen: Dort kam sogar der Oberbürgermeister zur Eröffnung – und schnitt feierlich ein Band durch.CARINA ZIMNIOK