„Mit Leidenschaft“ Fischer: Präsident Axel Bartelt 2023 am Isarufer. © Oliver Bodmer
München – Beim Landesfischereiverband Bayern kriselt es. In einem gemeinsamen Brief verlangen die Vorsitzenden der sieben Bezirks-Fischereiverbände den Rücktritt des Präsidenten Axel Bartelt. Das „erforderliche Vertrauensverhältnis zum amtierenden Präsidenten“ sei „aufgrund der aktuellen Entwicklung des Verbandes (…) nicht mehr gegeben“, heißt es in dem zweiseitigen Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt. „Insbesondere bestehen erhebliche Bedenken hinsichtlich der Führung sowie der Zusammenarbeit innerhalb der Verbandsstrukturen.“ Dabei wird Bartelt auch ein „autokratischer Führungsstil“ vorgeworfen. Die Bezirkschefs fordern die Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung: Ein Tagesordnungspunkt ist die „Abberufung des Präsidenten“, ein weiterer die kommissarische Neubestimmung eines Nachfolgers. Bartelt soll gehen, und zwar möglichst schnell.
Bartelt war erst 2023 zum Präsidenten eines Verbands gewählt worden, der nach eigenen Angaben 140.000 Fischer vertritt. Der frühere Spitzenbeamte, einst persönlicher Referent des damaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber, war zuvor von 2014 bis 2022 Regierungspräsident der Oberpfalz gewesen. Dass er zum Nachfolger des langjährigen Fischerchefs Albert Göttle bestimmt worden war, kam seinerzeit etwas überraschend. Die Fischer erhofften sich von der Wahl auch gute Kontakte zur Politik. Bartelt selbst bekannte in einem Interview mit unserer Zeitung, er habe schon mit 15 den Angelschein gemacht, die Fischerei sei seit jeher „meine Leidenschaft“.
Doch von der damaligen Begeisterung ist nicht viel geblieben. Die Vorwürfe, die die Bezirkschefs an Bartelt richten, ähneln auffallend jenen, die der kürzlich abgewählte Jäger-Präsident Ernst Weidenbusch, auch er als ehemaliger Politiker ein Neuling in der Verbandsarbeit, zu hören bekommen hatte: zum Beispiel „mangelhafte Einbindung von Verbandsgremien“, „überzogene, unprofessionelle Art der operativen Geschäftsführung“ und eine „erhebliche Verschlechterung des Arbeitsklimas“ mit der Folge, dass laut einer Mitarbeiterumfrage ein Drittel in der Geschäftsstelle einen Arbeitsplatzwechsel anstreben. Auch die Beziehungen zu Organisationen wie dem Landesamt für Umwelt sollen „durch wiederholte unabgestimmte Alleingänge“ belastet sein. Der Brief spreche ja für sich, sagt einer der Unterzeichner, der Präsident des Fischereiverbands Oberbayern, Maximilian Voit, gegenüber unserer Zeitung. Daher wolle er nicht mehr sagen. Nur so viel: „Wir hätten uns gewünscht, den Brief nicht schreiben zu müssen.“ Bartelt selbst war für unsere Zeitung nicht zu erreichen, er soll sich im Urlaub befinden.
Der Brief schließt mit der Feststellung, „dass eine weitere konstruktive Zusammenarbeit zum Wohle des Verbandes und seiner Mitglieder nicht mehr gewährleistet ist“. Eine „Neuordnung der Verbandsführung“ sei notwendig. Ein Termin für die beantragte Mitgliederversammlung ist noch nicht bekannt.DIRK WALTER