Das Juweliergeschäft in Wolfratshausen wurde am vergangenen Freitag überfallen. © sh
Abgesperrt: In diesem Hinterhof befindet sich der überfallene Juwelier in München. © dpa
Zugriff auf der Autobahn: In Sozialen Medien kursieren Videos von der Festnahme vom Mittwochabend. Zwei Männer wurden gefasst. © Instagram/Münchner Gesindel
München – Die wilde Flucht dauerte knapp eine Stunde. Nach dem bewaffneten Überfall auf einen Händler von exklusiven Uhren an der Münchner Goethestraße am Mittwoch schlug die Polizei noch am Abend auf der A9 zu (wir berichteten). Jetzt zeigt sich: Der Fahndungserfolg ist noch größer als gedacht: Nach ersten Ermittlungen haben die beiden Rolex-Räuber nicht nur in München zugeschlagen, sondern wohl auch in Hechendorf bei Murnau und in Wolfratshausen. Wie Stefan Grube, Leiter des Münchner Raub-Kommissariats, gestern erklärte, ist er im engen Austausch mit Kollegen im Umland.
Vieles von dem, was am Mittwochnachmittag passiert ist, war eher ungewöhnlich. Dazu gehört auch, dass Videos von der Festnahme schnell im Internet auftauchten. Die in den Sozialen Medien kursierenden Aufnahmen zeigen, wie die mutmaßlichen Räuber aus einem Taxi auf der A9 nahe der Schwabinger Ausfahrt steigen. Um sie herum: Polizeiautos. Dass um 17.50 Uhr dort der Zugriff möglich war, ist laut Grube zum einen den Beamten zuzurechnen, die an der Großfahndung beteiligt waren. 40 Autos durchkämmten die Stadt, während der Hubschrauber über ihnen kreiste. Den Ausschlag gab dann aber der Hinweis eines Zeugen, „der sehr aufmerksam war“. Der Mann wählte um 17.03 Uhr den Notruf, nachdem ihm an der Theresienwiese etwas seltsam vorgekommen war. Er hatte gesehen, wie die Rolexräuber ihr Fluchtauto verließen, sich auffällig umsahen und dann in ein Taxi stiegen. „Der Zeuge hat sich das Kennzeichen des Taxis gemerkt“, erklärt Grube.
Einer der Festgenommenen ist ein 21-jähriger Türke ohne festen Wohnsitz in Deutschland. Die Identität seines Kompagnons ist noch unklar. „Er hatte einen gefälschten Ausweis bei sich“, sagt Grube. Um 16.45 Uhr waren die beiden in das Geschäft „Juwelier Mayr“ an der Goethestraße gegangen, das in einem Hinterhof liegt. Wer hier einen Luxus-Einkauf tätigen will, macht vorher einen Termin aus. Genau das hatten die Räuber auch getan. Vor Ort bedrohten sie die drei Mitarbeiter und einen Kunden mit einer scharfen Waffe und einem Taser. Die Personen wurden gefesselt und in einen Raum gesperrt. Dann machten sich die Männer mit acht bis zehn Uhren für rund 300.000 Euro auf die Flucht. Darunter Marken wie Rolex und Tissot.
Um zwei derart edle Uhren ging es auch bei dem Überfall, den einer der Männer am 20. Mai in Hechendorf bei Murnau begangen haben soll. Damals kam der Täter nach einem Kleinanzeigenkontakt in die Wohnung des Opfers, zog eine Waffe und schlug ihm auf den Kopf. Bei dem bewaffneten Raubüberfall auf ein Juweliergeschäft in Wolfratshausen am vergangenen Freitag flüchteten die Täter ohne Beute.NADJA HOFFMANN