Wird ihr Münchner Büro räumen: Verena Bentele, VdK-Präsidentin. © Theo Klein/pa
München – Der Führungsstreit im VdK Bayern ist beendet. Wie der Verband und Verena Bentele am Freitagabend nach einer mehrstündigen Sitzung des Landesausschusses gemeinsam mitteilten, habe man zwar die Auseinandersetzung des Vorstands mit der Vorsitzenden Verena Bentele beigelegt. Gleichzeitig werde die Landesvorsitzende aber ihr Amt mit Wirkung zum 30. Juni zur Verfügung stellen – „um weitere Diskussionen über die Ausrichtung des VdK Bayern zu beenden“, wie es in der Mitteilung heißt. Damit kommt es zu der paradoxen Lage, dass Bentele auf Bundesebene weiterhin Präsidentin des größten Sozialverbands Deutschlands bleibt, ihren parallelen Vorsitz des bayerischen Landesverbands nach den Querelen der vergangenen Monate aber abgibt.
Verena Bentele, von Geburt blind, ist das bekannteste Gesicht des Sozialverbands VdK in Deutschlands. Seit 2018 steht die 44-jährige ehemalige Biathletin an der Spitze des Bundesverbandes. 2023 übernahm sie zusätzlich den Landesvorsitz in Bayern – auf ausdrücklichen Wunsch des Vorstands und ihrer Vorgängerin und SPD-Parteikollegin Ulrike Mascher, wie sie in den vergangenen Wochen nochmal betont hatte. Doch dann kam es zum Bruch mit dem Landesvorstand.
Der Zwist gelangte Ende Mai nach Bekanntwerden eines internen Schreibens an die Öffentlichkeit. Acht von zehn Vorstandsmitgliedern hatten gefordert, dass Bentele ihren Posten als Vorsitzende in Bayern aufgibt, auch Schatzmeister Konrad Gritschneder sollte gehen. Es bestünden „völlig gegensätzliche Auffassungen darüber, wie der Verband zu führen ist“, teilte der VdK Bayern in der Folge mit. Bentele wurde beispielsweise vorgeworfen, im Alleingang eine Führungskraft freigestellt zu haben. Ihr Stellvertreter Hermann Imhof teilte nach Bekanntwerden des internen Briefes wie berichtet mit, der VdK würde durch demokratische Mehrheitsentscheidungen geführt. „Alleingänge passen nicht in diese Kultur.“ Einem Bericht des „Spiegel“ zufolge gab es im Landesverband auch Unmut darüber, dass Bentele zwei Gehälter von dem Sozialverband beziehe – eines in Bayern und eines vom Bundesverband.
Bentele reagierte in mehreren schriftlichen Stellungnahmen auf die Vorwürfe. Sie sprach von einem Machtkampf im Verband über die Frage, wie der VdK Bayern künftig geführt werden solle. Sie habe aber weder vor, aus dem bayerischen VdK einen zentral gesteuerten Verband zu machen, noch habe sie Druck auf Mitarbeiter ausgeübt oder Personalkompetenzen an sich gezogen. Auch ihre Bezüge seien von den Gremien abgesegnet worden, sagte sie dem „Spiegel.“
Nun bemühen sich die Beteiligten, die Wogen zu glätten. Es habe Meinungsverschiedenheiten über die Führung und die zukünftige Ausrichtung des Verbands gegeben, hieß es in der Mitteilung vom Freitag. Die Vorstellungen Benteles und ihres Schatzmeisters von einer modernen Verbandsstruktur hätten die übrigen Vorstandsmitglieder nicht mitgetragen. Doch alle Vorwürfe und Missverständnisse seien nun „vollständig geklärt und ausgeräumt“. Beide Seiten bedauerten die öffentliche Diskussion. Auch Schatzmeister Gritschneder werde sein Amt in Bayern zur Verfügung stellen. Das Bundespräsidium, dem Bentele und Gritschneder weiter angehören, werde man aber „vollumfänglich unterstützen“.DG