Farhad N. rühmte sich für Anschlag

von Redaktion

Terrorprozess am Oberlandesgericht: Psychiater geben brisante Gesprächsinhalte preis

Farhad N. muss vor Gericht jetzt Fußfessel tragen. © Jantz

München – Wochenlang hatte Farhad N. von einem „großen Fehler“ gesprochen, den er begangen hatte: Zwei Menschen starben durch den Auto-Attentäter, als er im Februar 2025 mit seinem Mini Cooper in einen Verdi-Demonstrationszug raste. 44 Menschen wurden in der Seidlstraße verletzt.

Offenbar bewertete der Afghane seine Tat in der Untersuchungshaft dann aber ganz anders. Das berichten zwei Psychiater vor Gericht. „Es gab eine innere Kehrtwende bei ihm“, sagt Gregor Groß, Facharzt der Justizvollzugsanstalt Straubing. Dorthin wurde Farhad N. nach dem Anschlag verlegt, um zu prüfen, ob er psychisch krank oder schuldfähig ist. Dem Psychiater schilderte N. in Gesprächen, er habe die Tat „aus religiösen und politischen Motiven heraus begangen“. Details nannte Farhad dazu jedoch nicht. Klar wurde aber: N. wollte gezielt zur Münchner Sicherheitskonferenz „ein Zeichen setzen für die unterdrückten muslimischen Völker der Welt“, sagte er dem Arzt. Und: Er handelte angeblich „im Auftrag von Allah“. Der Psychiater sagt: „Er war überzeugt, dass er das Richtige tat.“ Also geht der Experte davon aus, dass N. den Mordanschlag in München gezielt beging. Das zeigt auch die ausbleibende emotionale Reaktion auf die Anschlagsopfer: „Ein Brief von trauernden Angehörigen hatte für ihn keine Bedeutung“, sagt Groß.

Insgesamt drei Mal musste Farhad N. von der JVA München nach Straubing verlegt werden. Zuletzt im Mai, als er Knastwärter mit dem Tod bedrohte. Die Gründe sind für die Psychiater erklärbar: „Er nahm seine Medikamente oft nicht“, sagt Rita Netzler, leitende Anstaltsärztin der JVA Stadelheim im Prozess. Es habe „unmediziert mehrere Vorfälle“ gegeben. Krankheitseinsicht habe es bei dem Afghanen über viele Monate hinweg nicht gegeben. Was mit gefährlichen Nebenwirkungen verbunden war: Farhad N. verletzte sich selbst, musste in besonders gesicherte Hafträume verlegt werden. Vor Gericht muss er jetzt Fußfessel tragen.

Im Gefängnis selbst hat Farhad N. laut der Anstaltsärztin keinen leichten Stand. Andere Häftlinge seien „nicht zimperlich“, da der Afghane für den Tod einer Mutter und deren Kleinkind verantwortlich ist. Und zudem auch genervt, da der Afghane tagsüber und auch nachts „mehrfach laut betet“. Die Welt um ihn herum, hat Psychiater Groß beobachtet, scheine N. jedoch „nicht zu interessieren“.A. THIEME

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