KOLUMNE

Weg mit Mega-Monstern

von Redaktion

„Mega geil“ fände sie es, auf ihrem Bauernhof zu arbeiten, sagte kürzlich eine Landfrau aus dem Münsterland im Fernsehen. Mit ihrem Mann zusammen züchtet sie Iberico-Schweine, die sie zu Schinken verarbeitet. Abgesehen davon, dass ich meistens Vegetarierin bin, fand ich die Beschreibung ihrer Tätigkeit etwas verwunderlich. Der Moderator einer Kochsendung, selbst Küchenchef, ruft „Meeeega!“, wenn seine Kandidaten eine Sauce sämig hinbekommen oder die Tomaten hübsch achteln. Solche Leistungen können schon auch mal ein kratziges „Krass“ aus ihm hervorrufen.

Leere Modeworte sind ebenso öde wie die nichtssagenden „interessant“ oder „nett“. Mit Mega-Nudeln, geilen Schweinen, interessanten Thrillern oder netten Menschen kann ich nichts anfangen. Da muss ich schon mehr wissen und lebendige Beschreibungen hören, die Interesse in mir wachrufen, meine Fantasie anregen. Ist die Suppe cremig, welche Kräuter sind drin? Haben die Schweine ausreichend Platz im Stall und genügend Auslauf im Freien? Wer sind die Darsteller des gerühmten Films, welchen Plot hat er? Ist der neue Nachbar kommunikativ, hat er Familie, welche Hobbys erfreuen ihn?

Übel wird es, wenn Menschen in Angst und Schrecken versetzt werden. Da hört und liest man von „Monster-Staus“ und „Horror-Crashs“, von „historischer Horror-Hitze“ im Sommer, einem wettermäßigen „Albtraum-Monat“ oder „tödlichen Wüstentagen“. Gewitter werden angekündigt, bei denen Gefahr für Leib und Leben besteht, weil es blitzt. Es ist gut, Menschen rechtzeitig zu warnen. Zumal es heute offenbar nicht mehr von vornherein einsichtig ist, dass man sich nicht mitten in ein Unwetter stellt, mit Badeschlappen den Berg erklimmt und sich überhaupt den Umständen entsprechend kleidet.

Trotz der Notwendigkeit von sachlichen Informationen halte ich eine übertriebene Wortwahl für gefährlich. In unsicheren Zeiten wie diesen muss man nicht noch einen draufsetzen. Empfindsame Gemüter, und das sind wir inzwischen fast alle, schrecken so immer wieder neu auf und befinden sich irgendwann in einem vielleicht nicht gerade hysterischen, aber fipsigen oder hippeligen Zustand. Meine Mutter meinte damit, dass, wenn jemand unruhig ist, ängstlich, was tun will, aber nicht weiß, was. Dabei ist es wichtig, hellwach zu bleiben, und, wenn nötig, sich in Bewegung zu setzen – oder eben zu bleiben, wo man ist. Diese Welt verunsichert. Man selbst wird nicht souveräner dadurch, dass man übertreibt, weder im Guten noch im Schlechten. Sondern nur dadurch, dass man sich sammelt, die Dinge bei ihrem wahren Namen nennt und mit Verstand zu Werke geht. So kann man das Schwierige angehen – und das Schöne wird wirklich schön.

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