Die Schutzengel am Spielfeldrand

von Redaktion

29-Jähriger kollabiert bei Fußballspiel in Dingolfing – Zuschauerin rettet ihm das Leben

Kein Herzschlag mehr: David Vogl (29) kollabierte.

Ralf Peiss vom SV Erlbach reanimierte. © SVE (2)

Heldin von Dingolfing: Elisabeth Dobmeier schaut nicht gern Fußball, war aber zur rechten Zeit am rechten Ort.

Dingolfing – Fußball schaut Elisabeth Dobmeier sonst eher selten. Doch als die 66-Jährige ihre zwei Neffen am Donnerstagabend in Dingolfing anfeuert, wird sie zur Lebensretterin. Denn beim Spiel des FC Dingolfing gegen den Bayernliga-Aufsteiger SV Erlbach kippt der Erlbacher Spielmacher David Vogl plötzlich wie ein gefällter Baum um. Nach dem Sturz ohne Fremdbeteiligung liegt der 29-Jährige in der 53. Spielminute auf dem Rasen und steht nicht mehr auf. „Ich habe gedacht, ich habe einen toten David vor mir“, erzählt Ralf Peiss (62), Manager der Erlbacher Kicker.

„Ist ein Arzt hier?“, schallt es um 20.08 Uhr über den Sportplatz. Elisabeth Dobmeier zögert keinen Moment. Seit vier Jahren ist sie im Ruhestand, arbeitete aber 44 Jahre lang als Anästhesie-Schwester im Dingolfinger Krankenhaus. „Ein Schutzengel hat mich genau in dieses Fußballspiel gelotst“, sagt sie über ihren beherzten Rettungseinsatz auf dem Fußballfeld.

Die Situation überblickt die erfahrene Ex-Krankenpflegerin schnell: David Vogl hat keinen Herzschlag mehr, keinen Pulsschlag, keine Atmung. „Zunächst japste er noch nach Luft, doch dann war er völlig weg“, sagt Ralf Peiss, der zuerst aufs Spielfeld geeilt war und Elisabeth Dobmeier bei der Reanimation unterstützte. „Die waren alle froh, dass jemand die Kommandos gab“, sagt die resolute Rentnerin. „Viele Menschen verfallen in so einer Situation in Schockstarre“, so Dobmeier weiter. „Dabei kann man bei der Herzdruckmassage nichts falsch machen: Denn was ist eine gebrochene Rippe gegen ein gerettetes Menschenleben?“

Minutenlang kämpfen der Manager und die Krankenschwester um das Leben des Spielers, der in der Zwischenzeit im Gesicht blau anläuft. Dobmeier übernimmt die Mund-zu-Mund-Beatmung, Peiss die Herzdruckmassage. Nach einer gefühlten Ewigkeit holen sie den kollabierten Spieler wieder zurück ins Leben. „Sein erster Luftzug klang wie der Schrei eines Neugeborenen, man hörte ihn über den ganzen Platz“, sagt Peiss.

Als der Krankenwagen nach einer weiteren gefühlten Ewigkeit ankommt, ist David Vogl zum Glück schon nicht mehr reanimationspflichtig. Der von weiteren Helfern bereits herangeschaffte Defibrillator muss gar nicht mehr zum Einsatz kommen. Eine Erleichterung.

David Vogl muss jetzt noch ein paar Tage im Straubinger Krankenhaus bleiben, denn die Ursache für seinen plötzlichen Kollaps ist den Herzspezialisten aktuell noch vollkommen unklar. Bei seiner Retterin vom Spielfeldrand hat er sich aber schon am Telefon bedankt. „Er schien noch unter Schock zu stehen, sagte, dass sein Brustkorb noch wehtut“, sagt Elisabeth Dobmeier. „Aber das ist nach einer Herzdruckmassage ganz normal.“

Ganz normal ist für die neue Heldin von Dingolfing auch der Einsatz für ihre Nächsten: Schon am Morgen nach der Rettung auf dem Sportplatz stand ihre Nachbarin vor der Tür und wollte einen Finger verbunden haben. „Jetzt habe ich mir auch einen Notfallkoffer zugelegt“, sagt Dobmeier. „Denn wenn ich Nadel und Infusion bei dem Fußballspiel dabeigehabt hätte, hätte ich noch mehr tun können.“

Für den Bayernliga-Auftakt am 17. Juli hat der Verein Elisabeth Dobmeier nun nach Erlbach in den Landkreis Altötting eingeladen. Dabei steht die 66-Jährige ja gar nicht so gern im Mittelpunkt. „Allein kannst du kein Held sein, da muss man eine Truppe sein.“

Der verunfallte David Vogl wird dann noch nicht wieder im Kader der Erlbacher sein: „Wir geben ihm alle Zeit der Welt zur Genesung“, sagt Ralf Peiss, der Chef der Fußball-Abteilung – und ein weiterer Held vom Spielfeldrand.

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