Patrick Trepte (rechts) mit Studienfreund Justin Räker.
Die Idee kommt ihnen in einem Moment, in dem eigentlich alles glattgehen sollte. Sie stehen am Flughafen Frankfurt, wollen nach China fliegen und merken, dass schon die Anreise per Bahn zur Unsicherheit wird. „Wir wussten nicht wirklich, welchen Zug wir nehmen sollten, um sicher pünktlich am Flughafen anzukommen“, sagt Patrick Trepte. Aus diesem Gefühl heraus entsteht später eine App. Der 23-Jährige aus Baldham im Kreis Ebersberg und sein Studienfreund Justin Räker wollen zeigen, dass Bahnfahren planbarer sein kann, als es sich oft anfühlt. „Jeder weiß, die Deutsche Bahn ist oft zu spät, aber du kannst nicht sagen, welcher Zug besser oder schlechter ist“, sagt Trepte. Genau das wollten sie ändern. Die iOS-App Railwise arbeitet mit historischen Verspätungsdaten. Öffentliche Informationen aus dem Bahnverkehr werten sie so aus, dass Muster sichtbar werden. „Man sieht zum Beispiel, dass Züge morgens deutlich pünktlicher sind als abends“, sagt Räker. Auch einzelne Knotenpunkte im Netz fallen auf: „An bestimmten Bahnhöfen stauen sich Verspätungen massiv.“
Railwise soll Reisenden helfen, Entscheidungen besser zu treffen. Die App zeigt, wie zuverlässig Verbindungen sind, und bewertet Umstiege oder längere Strecken. Dazu kommen Echtzeitdaten zu Verspätungen, Gleiswechseln, Ausfällen und Wagenmaterial. Die Entwicklung war für beide Neuland. Vieles sei Versuch und Irrtum gewesen. Auch Künstliche Intelligenz habe geholfen. Von der Idee bis zur App im Store vergeht weniger als ein Jahr. Anfang 2026 folgt eine Testversion, seit Kurzem ist Railwise im App Store verfügbar. „Wir sind schon bei über 3000 Downloads“, sagt Räker. Einmal schafft es die App sogar in die Top 20 der kostenlosen Reise-Apps in Deutschland. Geld verdient das Duo damit bislang nicht. Im Gegenteil: Die Entwicklung kostet. Apple-Lizenzen, Gründung, Sicherheitstests – alles geht ins Budget. „Die Basis soll kostenlos bleiben. Werbung wollen wir nicht. Eher Premiumfunktionen für Vielnutzer“, sagt Räker. Der Alltag der beiden ist inzwischen eng mit dem Projekt verknüpft. Mehrere Stunden täglich fließen in die App. „Die Uni läuft inzwischen etwas neben dem Projekt“, sagt Trepte. Gleichzeitig entsteht eine Verbindung zum Studium: Die Masterarbeiten drehen sich beide um Railwise. Ob daraus mehr wird als ein Studentenprojekt, bleibt offen. Trepte bleibt vorsichtig. „Wir sind da sehr realistisch“, sagt er. Entscheidend seien die kommenden Monate. Die Motivation holen sie sich aus Rückmeldungen: „Wenn Leute sagen, sie haben genau darauf gewartet, dann motiviert das enorm.“UTA KÜNKLER