Jochen Nibbe betreibt am Ammersee das Bootshaus. © AJ
In Gmund am Tegernsee ist am Sonntag ein Mann ertrunken. Etliche Rettungskräfte waren vor Ort.
Begehrte Orte an heißen Tagen: An Bayerns Seen herrscht dieser Tage Hochbetrieb. © Thomas Plettenberg (2)
München – Bayern schwitzt – und wer kann, flüchtet sich dieser Tage an einen kühlen Badesee. Davon gibt es in Bayern ja glücklicherweise viele. Viel los ist trotzdem überall – und voller Einsatz gefragt. Nicht nur von den Rettungskräften.
Seit Beginn der Badesaison im Mai sind in Bayern laut BRK mindestens zehn Menschen ertrunken. Vergangenes Jahr gab es 84 Badetote – mehr als die Hälfte davon an Seen. Erst diesen Sonntag ist am Tegernsee wie berichtet ein 22-jähriger Pole ums Leben gekommen, im Kreis Coburg ertrank ein 24-Jähriger. Nahe Regensburg ist ein 29-Jähriger von einem Paddle-Board gefallen und trotz großer Rettungsaktion nicht gefunden worden. Am Starnberger See in Münsing rettete ein aufmerksamer Passant einer Seniorin das Leben, die bewusstlos im Wasser trieb.
Immer wieder rufen die Einsatzkräfte dazu auf, die Gefahren an den Badeseen nicht zu unterschätzen. Gerade Männer würden häufig Risiken eingehen, die vermeidbar wären, heißt es von der DLRG. Vergangenes Jahr waren vier von fünf Badetoten männlich. Es sei längst nicht mehr selbstverständlich, dass Badende sicher schwimmen können, betont auch das Bayerische Rote Kreuz. „Das Seepferdchen ist dafür noch lange kein Nachweis.“ Immer wieder komme es zu Badeunfällen, weil Nichtschwimmer in Seen baden. Aber auch wegen Kreislaufproblemen und Sprüngen in unbekannte Gewässer müssen die Ehrenamtlichen an den Seen besonders häufig ausrücken.
Die Wasserwacht Bayern hat rund 141.000 Mitglieder, 86.000 davon sind aktiv und leisten pro Jahr 4000 Einsätze im Wasserrettungsdienst. Ehrenamtlich. Gerade in diesen Tagen werden an vielen Seen die Dienste verstärkt oder zusätzliche Kräfte eingebunden, berichtet ein BRK-Sprecher.
Die Wasserwacht appelliert dazu, nur an erlaubten und möglichst an bewachten Stellen zu baden, nicht allein ins Wasser zu gehen und die eigenen Kräfte realistisch einzuschätzen. Wer vorher in der Sonne war, sollte langsam ins kühle Wasser gehen, um den Kreislauf nicht zu überfordern. Auch Alkohol vor dem Schwimmen ist ein großes Risiko.
Nicht nur am Wasser, sondern auch auf den Anfahrtsstraßen zu den Seen ist gerade erhöhter Einsatz gefragt: In einigen Landkreisen mussten Rettungskräfte helfen, den Verkehr zu steuern. Zum Beispiel am Karlsfelder See im Landkreis Dachau. Auch am Walchensee war es am Sonntag voll, gegen 14 Uhr waren 1000 der 1100 Parkplätze belegt. Das große Chaos blieb jedoch aus. Vielleicht auch wegen der Baustelle auf der B11. Sie könnte einige Autofahrer davon abgehalten haben, mit dem Auto an den See zu fahren.
Auch Jochen Nibbe, Betreiber des Bootshauses in Herrsching am Ammersee, hat dieser Tage viel zu tun. Am Wochenende herrschte am Kiesstrand vor seinem Kiosk Hochbetrieb. „Es war brutal viel los“, sagt er. Einige Eissorten sind ihm ausgegangen, rund 50 Kilogramm Pommes gingen über die Theke, allein für den Eiskaffee verbrauchte das Team etwa zehn Kilogramm Eis. „Wir hatten zehn Stunden lang durchgehend eine Schlange“, berichtet Nibbe. Wegen der Hitze hat er mehr Personal benötigt – in der Küche an den Fritteusen mussten seine Leute bei bis zu 45 Grad arbeiten. „Wir haben versucht, uns mit nassen Tüchern etwas abzukühlen.“
Am Montag ging es für ihn gleich mit viel Schweiß weiter. Neue Vorräte einkaufen war angesagt. Unter anderem auf seiner Einkaufsliste: 120 Kilo Pommes. „Reicht aber wahrscheinlich nicht lange“, sagt er. Nibbe und sein Team versuchen gut, durch die Hitze-Woche zu kommen. Deshalb hat er die ersten zwei Tage der Woche erst um 17 Uhr aufgesperrt – um Personal zu entlasten und einzukaufen. Damit er für die zweite Wochenhälfte wieder gerüstet ist.KWO/CR