Sophie Angermeier aus Hohenlinden. © J. Dziemballa
„Ich habe für Sie schon was vorbereitet“, sagt Sophie Angermeier und greift nach dem Stempelheft. Kaum hält ein Auto vor dem roten Häuschen, ist sie mitten im nächsten Verkauf. Sie wiegt Schalen ab, kassiert und drückt mit einem Stempel in Erdbeerform das nächste Feld im Heft. Stillstand kennt sie nicht. Wenn die Sonne brennt, verschiebt sich der Andrang nur. „Wenn es so heiß ist, kommen die Leute eher vormittags zum Selbstpflücken“, sagt sie. Viele ältere Kundinnen und Kunden verzichten dann aufs Pflücken im Feld. Sie greifen lieber zu den vorbereiteten Schalen, die hinter ihr bereitstehen. Zwölf Kisten stehen dort, jede mit zehn Schalen. Was am Ende des Tages übrig bleibt, landet nicht im Müll. „Zum Wegwerfen wären sie zu schade“, sagt Angermeier. Die Früchte werden später zu Marmelade verarbeitet. Sie schaut dabei immer wieder auf die roten Schalen, als müsse sie prüfen, ob noch alles an seinem Platz ist. Auch die Felder selbst folgen einem genauen Rhythmus. Früh-, Mittel- und Spätsorten wechseln sich ab, dazu kommt die Fruchtfolge. „Alle paar Jahre muss man das Feld wechseln“, erklärt sie und zeigt über die Straße. Nach den Erdbeeren wächst dort erst Körnermais oder Weizen, bevor wieder neue Pflanzen gesetzt werden. Das Häuschen wandert dann mit.
Für Angermeier ist das längst Routine – und doch bleibt es etwas Besonderes. „Ich liebe beides: den Kontakt mit Kunden und Erdbeeren“, sagt sie und grinst. Seit 25 Jahren arbeitet sie hier. Angefangen hat sie, als ihre Tochter noch klein war. „Jetzt ist meine Tochter erwachsen und ich bin immer noch hier.“ Erdbeeren begleiten sie schon ihr ganzes Leben, aus dem Garten ihrer Eltern bis heute in die eigenen Beete. Wie die Früchte gegessen werden, erlebt sie täglich. Manche backen, andere kochen. „Der Erdbeerlimes-Umsatz ist zurückgegangen“, sagt sie trocken und lacht. Am liebsten isst sie die Beeren pur oder im Salat. Dann kommt Viviana Ferraro ans Häuschen. „Ich war gestern schon da. Ich brauche wieder Nachschub“, sagt sie und reicht ihre Box. Angermeier schickt sie freundlich Richtung Feld: „Wenn du da schaust, findest du genug Erdbeeren.“ Kurz darauf kommt Ferraro mit voller Schale zurück. „Ich komme seit drei Jahren her“, erzählt sie. „Damals habe ich hier Erdbeeren gepflückt. In der Zeit habe ich meinen jetzigen Freund kennengelernt.“ Solche Geschichten hört Angermeier oft. Das Erdbeerfeld sei Treffpunkt für alle Generationen, sagt sie. Manche erzählen viel, andere gar nichts. „Ich bin für viele Leute die Erdbeere“, sagt sie und lacht. Und manchmal staunt sie noch immer. Nicht über die Früchte, sondern über die Gefäße. Allerlei Schüsseln und Kartons tauchen auf. „Einer ist mal mit einem Blumentopf gekommen.“ Dann schüttelt sie den Kopf – und lächelt wieder.SAMANTHA ERNST