Ungewöhnlicher Gast: Gerhard Wendl päppelt derzeit eine junge Mittelmeer-Möwe auf. © Gehre
Fürstenfeldbruck – Auf dem Dach eines Hochhauses in Fürstenfeldbruck hat sich ein Paar Mittelmeer-Möwen angesiedelt und schon dreimal für Nachwuchs gesorgt – aufgrund des Klimawandels brüten die Tiere mit einer Flügelspannweite von bis zu eineinhalb Metern inzwischen auch hierzulande. Vergangene Woche war das Jungtier vom Dach gefallen und im Innenhof umhergeirrt. Das weckte das Interesse von Kindern und auch Hunden – was aber die Möwen-Eltern störte, die daraufhin Menschen und Tiere attackierten.
Eine Anwohnerin brachte die junge Möwe zu Gerhard Wendl, der eine Auffangstation am Olchinger See betreibt. Der staunte nicht schlecht: Eine junge Mittelmeermöwe hatte Wendl trotz jahrzehntelanger Arbeit noch nie beherbergt. Vogelexperte Wolfgang Kuhn von der Gebietsbetreuung Ampertal sieht die Ansiedlung aber kritisch: Ihm zufolge frisst der Nachwuchs heimischer Arten wie Enten oder Gänse. „Speziell am Amperstausee in Fürstenfeldbruck haben sie sich darauf spezialisiert, die Küken von Wasservögeln zu fressen“, berichtet Wolfgang Kuhn. Deswegen seien kaum mehr Enten, Blesshühner oder Graugänse dort zu finden.TOBIAS GEHRE