Sterneglanz unterm Dach der BMW Welt

von Redaktion

Tohru Nakamura betreibt die „Schreiberei“. © Oliver Bodmer

Kevin Romes ist der neue Koch im „Atelier“. © Schmidt

Er ist der Abräumer des Abends: The Cloud-Küchenchef Jens Madsen vor der BMW Welt. © Hartmann

Jens Madsen hat es geschafft. Genau ein Jahr, nachdem er „The Cloud by Käfer“ in der Münchner BMW Welt zusammen mit seinem Team eröffnet hat, holte er zwei der begehrten Michelin-Sterne. „Es war eine grandiose Reise“, sagte er gestern Abend bei der Vergabe in Frankfurt, die „noch lange nicht zu Ende ist“. Madsens Stimme zittert. „Ich bin sprachlos und glücklich zugleich.“ Sein Dank geht auch an sein Team, „das in den vergangenen zwölf Monaten wirklich alles gegeben hat“.

Jens Madsen stellte sich mit dem Fine Dining Restaurant „The Cloud“ heuer zum ersten Mal den Inspektoren von Guide Michelin. BMW und Käfer hatten das frühere Zwei-Sterne-Lokal „EssZimmer“ von Bobby Bräuer nach dessen Weggang in der dritten Etage der Münchner BMW-Welt komplett umbauen lassen, in „The Cloud“. Madsen geht dort gänzlich neue Wege. Bei „The Cloud by Käfer“ entsteht daraus eine „eigene kulinarische Sprache, getragen von heimischen Zutaten und von Respekt vor Ursprung, Kontext und Handwerk“.

Zwei Sterne gehen auch an das Atelier im Hotel „Bayerischer Hof“. Nur wenige Wochen hatte Kevin Romes Zeit, von sich zu überzeugen. Er trat erst Anfang April seinen Dienst im „Atelier“ an und musste sich sofort beweisen. Das Atelier war auch bislang mit zwei Sternen bedacht. Anton Gschwendtner hatte das Haus zum Jahreswechsel überraschend verlassen. Nachdem Kevin Romes die Sterne „nur“ verteidigt hat, war er nicht eigens zum Gala-Abend nach Frankfurt geladen worden.

Zu den besten Köchen Deutschlands gehören auch – wie seit dem vergangenen Jahr – zwei Münchner: Jan Hartwig („Jan“) und Tohru Nakamura („Tohru in der Schreiberei“) haben ihre drei Sterne verteidigt. Auch der neue Drei-Sterne-Koch, Daniel Schimkowitsch, hatte einst seinen ersten Michelin an der Isar erkocht. Das war 2014 im „Tramin“. Mittlerweile arbeitet der Spitzenkoch in Deidesheim, im „La Jordan“. Es liege ein anstrengendes Jahr hinter ihm, sagte er bei der Verleihung. Aber als einer von „drei Musketieren“, wie sich das Küchenteam selbst nennt, hätten sie einander immer wieder angespornt. Mit großem Erfolg, wie sich jetzt zeigte.

Den Guide Michelin gibt es seit 126 Jahren. Die erste deutsche Ausgabe erschien vor genau 60 Jahren, im Juni 1966. Damals schafften es gerade einmal 66 Restaurants in den Gourmetführer.

Einer der ganz Großen hat sich in diesem Jahr zurückgezogen: Nach 25 Jahren, davon 17 Jahre auf Drei-Sterne-Ebene, hat sich Sven Elverfeld aus der Michelin-Familie verabschiedet. Sein Lokal in Wolfsburg ist geschlossen. Seine Kollegen verneigten sich aus diesem Anlass vor dem Spitzenkoch.

Wieder da ist dagegen der aus dem Fernsehen bekannte Koch Nelson Müller. Sein „Schote“ hatte nach dem Umzug zunächst den Stern verloren. Jetzt hat ihn der TV-Koch zusammen mit Eric Schmitz zurück nach Bergisch Gladbach geholt.

Mit der neuesten Ausgabe des Guide Michelin Deutschland startet der Gastroführer mit den „Mindful Voices“. Eine neue Bühne für wegweisende Persönlichkeiten. Menschen, die durch ihr Engagement und ihre Arbeit neue Wege in der Gastronomie, Hotellerie und im Weinbau beschreiten, sollen künftig damit ausgezeichnet werden. Dieses System wird weltweit einführt. Mit Noris F. Conrad konnte sich ein zweiter Münchner über einen Award freuen. Der Sommelier arbeitet seit einem knappen Jahr im „Tantris.“ Jetzt darf er sich bereits über die Auszeichnung freuen. Sein Bestreben: „Ich will Begeisterung für Wein schaffen. Gerade in einer Zeit, in der immer weniger Alkohol getrunken wird.“

Während es sonst in Oberbayern keine Veränderungen auf der Fine-Dining-Ebene gab, hat Dominik Käppler („Showroom“) aus München seinen Michelin-Stern verloren.

Insgesamt zeigte sich bei der Gala in Frankfurt, dass Guide Michelin heuer weniger neue Sterne-Restaurants ausgerufen hat. Die Gastronomie, und insbesondere das Fine Dining, befindet sich seit der Pandemie in der Krise.

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