Die Zugfunk-Panne der Bahn

von Redaktion

Warteschlangen am Hauptbahnhof – Aber keine Evakuierungen

Zugfunk unerlässlich: Lokführer Erich Eckmair. © klaus haag

In Rosenheim strandeten die Züge der BRB, hier ein Meridian. © Uwe Lein/dpa

Stau spät am Abend: Verhinderte Fahrgäste stehen am Informationsschalter der DB am Hauptbahnhof München Schlange. © Peter Kneffel/dpa

München – Im Nachhinein klingt es wie ein schlechter Witz. Der Zugfunk GSM-R, so informiert die Bahntochter DB InfraGo auf ihrer Homepage, biete viele Vorteile. Als erster Punkt wird angeführt: „Störungsfreie Kommunikation im Bahnbetrieb“, als zweiter „hohe Sicherheit in der betrieblichen Kommunikation“. Davon war am Dienstagabend ab kurz nach 22 Uhr nichts mehr zu spüren. Bei einem (von der Bahn nicht näher erläuterten) „planmäßigen Tausches einer technischen Komponente“ brach bundesweit der interne Zugfunk der Bahn zusammen. Lokführer konnten nicht mehr mit den Fahrdienstleitern kommunizieren – ein gravierendes Problem. „Wir brauchen den Zugfunk, um beispielsweise Notrufe zu empfangen, wenn etwas auf dem Gleis liegt, oder wenn es eine Signal- oder Weichenstörung gibt“, erklärt Erich Eckmair, langjähriger Münchner ICE-Lokführer und derzeit Betriebsrat der GDL. Ohne Zugfunk ist nur Fahren auf Sicht erlaubt – vor allem in der Nacht ist das sehr schwierig. Alle Bahngesellschaften, die auf den Gleisen der DB InfraGo unterwegs sind, sind zur Nutzung des GSM-R-Funks verpflichtet. Ohne ihn geht es nicht. Etwa zwei Stunden lang bis kurz nach 0 Uhr fuhren keine Züge.

Der Münchner S-Bahn-Verkehr stand ab etwa 22:45 Uhr still, so rekapituliert es ein Bahnsprecher am nächsten Morgen. Zuvor kam es bereits zu Verspätungen und Teilausfällen. Alle Züge konnten aber bis zum nächsten Bahnhof fahren, sodass keine S-Bahn auf freier Strecke zum Halten kam. Ähnliches berichtet Winfried Karg, Sprecher von Arverio Bayern, deren Züge unter anderem zwischen Augsburg und München pendeln. „Die Arverio-Züge wurden an geeigneten Bahnsteigen zurückgehalten, sodass keine Evakuierungen auf freier Strecke nötig waren.“ Der Betriebsleiter der Bayerischen Regiobahn, Manuel Vorbach, erklärt: „Die Störung trat gegen 22.15 Uhr auf, ohne jegliche Prognose, zum Beispiel hinsichtlich der Dauer. Die Situation war vollständig unklar.“ Sämtliche Züge des Fern-, Nah-, und Güterverkehrs seien spontan dort abgestellt worden, wo gerade Platz war. Teilweise konnten die BRB-Züge noch zu ihren Endbahnhöfen fahren. Leider, ergänzt Vorbach, „gelang uns das nicht überall“.

„Insgesamt war die Lage an den bayerischen Bahnhöfen beherrschbar“, betont ein Bahnsprecher. Mitarbeiter von DB InfraGO verteilten auch Wasser an die Fahrgäste. Am Münchner Hauptbahnhof kam es „zu keinen Überfüllungen“, so sagt es der Sprecher. Zwar bildete sich vor dem DB-Infoschalter in der Haupthalle eine Warteschlange, aber das Servicepersonal war mit zusätzlichen Kräften im Einsatz.

Da es durch die Messe Intersolar nur noch wenige verfügbare Hotelzimmer in der Stadt gab, habe die DB vor allem Taxigutscheine ausgegeben. Auch wurden Sammeltaxis zu Fahrtzielen in ganz Bayern organisiert. Vorübergehend wurden auch zwei ICE als Aufenthaltszüge für die Reisenden bereitgestellt.

Nach Behebung der Störung konnte der S-Bahn-Verkehr ab etwa 0.15 Uhr sukzessive wieder aufgenommen werden. Beim Betriebsstart Dienstagfrüh waren die Züge wieder planmäßig unterwegs. Einzig auf dem Ostast der S4 kam es zu Ausfällen. Der Grund dafür: Züge standen ab Rosenheim im Stau. Um das aufzulösen, mussten sie auch die S-Bahn-Gleise nutzen. Fahrgäste konnten auf die parallel verkehrende S6 ausweichen.

Nicht ganz so leicht war es bei der BRB – deren Züge im Oberland und am Ammersee mit Diesel fahren und zum Teil erst betankt werden mussten. Sonst geschieht das nachts, diesmal ging das nicht. An mehreren Stellen hätten Güterzüge den Nahverkehr blockiert. Noch ein Problem: Die BRB konnte wegen der unvorhergesehenen Dienstverlängerung des Fahrpersonals in der Nacht am nächsten Tag nicht alle Schichten besetzen. Erst gegen Dienstagabend, so der BRB-Manager, lief der Zugverkehr normal.DIRK WALTER

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