Brotzeit und Füße hochlegen: Bekannte Routen wie der Heilbronner Weg oder der Fernwanderweg E5 führen an der Rappenseehütte im Allgäu vorbei. © imago/Moritz Wolf
Alles bereit für eine Nacht auf der Hütte. © dpa/Warmuth
München – No-Shows. So nennen es Hüttenwirte, wenn Gäste Schlafplätze reservieren – und dann einfach nicht kommen. Würde rechtzeitig storniert, könnten andere Gäste informiert werden und nachrücken. Gerade für hochfrequentierte Hütten macht das Sinn. Deren Wirte führen oft Listen mit hunderten Wartenden (wir berichteten). Auch Mehrfachreservierungen sind ein Unding: Wanderer buchen vorsorglich mehrere Hütten parallel, um maximal spontan entscheiden zu können. Der Deutsche Alpenverein (DAV) mahnt angesichts begrenzter Schlafplätze zum verantwortungsvollen Umgang mit Reservierungen. Die Nachfrage sei in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, gleichzeitig sei die Zahl der Betten aber begrenzt.
Auf den 325 DAV-Hütten gibt es rund 20.000 Übernachtungsplätze. 2024 zählten sie rund 930.000 Übernachtungen. „Die Schlafplätze auf Alpenvereinshütten sind ein begrenztes Gut. Wer einen Platz reserviert, sollte ihn auch nutzen – und wenn das nicht möglich ist, rechtzeitig stornieren“, sagt Robert Kolbitsch, Ressortleiter Hütten und Wege im DAV. Die Wirtsleute müssten ja auf jeden Gast vorbereitet sein – für den Einkauf im Tal über den Transport zur Hütte bis zum Vorkochen in der Küche.
„Die Wirte müssen verlässlich planen können. Wenn ganze Gruppen reservieren und dann nicht erscheinen, müssen sie im Extremfall Speisen wegschmeißen“, erklärt Carolin Kalkbrenner, Ressortleiterin Hütten und Wege bei der DAV-Sektion München. „Wer Hüttenplätze reserviert und ohne Absage nicht erscheint, verhält sich rücksichtslos gegenüber anderen Bergsportlern und missachtet die Solidarität am Berg.“
Schon vor zehn Jahren hatten sich DAV, der Österreichische Alpenverein (ÖAV) und der Alpenverein Südtirol (AVS) angesichts steigender Zahlen nicht-wahrgenommener Reservierungen auf eine Empfehlung zur Erhebung von Stornogebühren verständigt. Die Regelung habe sich zunehmend etabliert. Nach Schätzungen des DAV erheben rund drei Viertel der DAV-Hütten eine Stornogebühr – letztlich sei das aber Entscheidung der jeweiligen Wirtsleute. Auf der Tegernseer Hütte im Kreis Miesbach etwa werden bei Nichterscheinen 15 Euro pro Person einbehalten und sonst mit der Übernachtung verrechnet. Auf der Rappenseehütte oder der Hermann-von-Barth-Hütte im Allgäu liegt die Gebühr für einen No-Show bei 20 Euro und im Prinz-Luitpold-Haus sogar bei 35 Euro. Der Schweizer Alpen-Club (SAC) geht jetzt als Erster noch einen Schritt weiter – und führt flächendeckend Reservierungsgebühren für seine bewirteten Hütten ein. Zehn Franken (circa 10,85 Euro) werden pro Gast und Nacht erhoben und im Falle des Nichterscheinens auch einbehalten.
Eine Hüttenübernachtung bucht man heute online so bequem wie ein Zugticket. Vielleicht begünstigt das zentrale Online-Reservierungssystem „Hut Reservation“ heikle Buchungsfälle. Viele Wirte berichten, die Zahl der No-Shows habe über die Jahre zugenommen. Womöglich sei die Hemmschwelle für Doppelbuchungen durch die einfache Online-Reservierung gesunken. Die Sektion München aber meldet erste Erfolge der Storno-Gebühren, No-Shows seien rückläufig. Beim ÖAV atmet man noch nicht auf: Seit dem Jahr 2022 hat sich die Stornoquote mehr als verdoppelt. 30 bis 40 Prozent der Reservierungen werden wieder storniert. 2022 waren es 15 Prozent. SABINE DOBEL CORNELIA SCHRAMM