40,7 Grad: Temperatur-Rekord in Bayern

von Redaktion

Ausgerechnet am Siebenschläfertag: Hitzewelle erreicht vorläufigen Höhepunkt

Der Siebenschläfertag geht nicht auf das Tier, sondern auf sieben Heilige zurück. © IMAGO

Frischluft-Föhn: Landwirt Horst Amberg hat sich eine Schneekanone geliehen – und nutzt sie als Ventilator für seinen Kuhstall. © Merzbach/NEWS5

München/Kitzingen – Ganz Bayern schwitzt. Da kommt ein Ventilator gerade recht. Das hat sich auch Landwirt Horst Amberg aus dem oberfränkischen Tremersdorf gedacht. Aber nicht für sich, sondern für seine Kühe im Stall. Mit einem Kleingerät aus dem Elektromarkt kommt er da aber nicht weit. Deshalb hat er sich beim benachbarten Wintersportverein eine Schneekanone ausgeliehen. Statt auf der Skipiste steht das Gerät nun vor seinem Kuhstall und bläst große Mengen Luft ins Gebäude mit den rund 150 Milchkühen. Der Strom dazu kommt von der hofeigenen PV-Anlage. „Wir hätten einige Kühe eingebüßt, wenn die Schneekanone nicht hier wäre“, ist sich Amberg sicher.

Mit 41,3 Grad ist am Freitag die bislang höchste Temperatur in Deutschland überhaupt registriert worden. Der Rekordwert wurde gegen 17 Uhr in Saarbrücken gemessen, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilte. Und in Bayern wurden satte 40,7 Grad registriert. Der vorläufige bayerische Höchstwert wurde um 16.50 Uhr in Kitzingen in Unterfranken abgelesen. Wegen der extremen Hitze am Wochenende sind in Bayern zahlreiche Veranstaltungen abgesagt worden. Denn am heutigen Samstag könnten die Temperaturen noch einmal auf Rekordwerte klettern.

Und das ausgerechnet an diesem Samstag, der just auch noch Siebenschläfertag ist. An dem die in diversen Abwandlungen formulierte Bauernregel gelten soll: Wie das Wetter am Siebenschläfer sich verhält, ist es sieben Wochen lang bestellt. Was heißt das nun? Dass uns ein brachialer Hitzesommer bevorsteht? Immer langsam, so einfach ist es nämlich nicht.

Aber von vorne: Der Siebenschläfertag geht nicht etwa auf die gleichnamige einheimische Schlafmaus zurück. Sondern auf sieben Heilige, die der Legende nach während der Christenverfolgung Mitte des dritten Jahrhunderts bei lebendigem Leibe eingemauert wurden. In einer Höhle bei Ephesos (heutige Türkei) sollen sie knapp 200 Jahre schlafend ausgeharrt haben. Danach wurden sie der Überlieferung zufolge zufällig entdeckt, bezeugten ihren Glauben an die Auferstehung der Toten – und starben wenig später. Der 27. Juni ist der liturgische Gedenktag für die sieben Schläfer von Ephesos.

Doch da fängt‘s schon an: Denn eigentlich ist der heutige 27. Juni gar nicht der Siebenschläfertag – weil nach der Gregorianischen Kalenderreform von 1582 genau zehn Tage gestrichen wurden. Der Zeitpunkt, auf den sich die Wetterregel bezieht, fällt also eigentlich auf den 7. Juli. Daher nehmen die Meteorologen häufig den Zeitraum der ersten Juli-Tage, um das voraussichtliche Sommerwetter etwas genauer zu prognostizieren. Denn erfahrungsgemäß stabilisiert sich in dieser Zeit tatsächlich die Großwetterlage über Mitteleuropa. Für Meteorologen ist die Siebenschläferregel also eine der besten Bauernregeln überhaupt. Doch auch sie ist nicht wirklich zuverlässig: Die Trefferquote liegt laut Deutschem Wetterdienst im Binnenland nur bei etwa 55 bis 60 Prozent, im Alpenvorland bei etwa 70 Prozent – aber auch nur dann, wenn man die Regel nicht sonderlich eng auslegt.

Deutlich zuverlässiger ist da auf jeden Fall die kurzfristige Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes. Und da bahnen sich nach der Hitzewoche ab Sonntag Schauer und kräftige Gewitter an. Im Lauf der Woche soll es auch merklich abkühlen. Siebenschläfer hin oder her.MM/DPA/KNA

Artikel 5 von 11