Weggefährten: Gastronom Michael Käfer mit Johann Lafer in München.
Seit Jahren freundschaftlich verbunden: Christof Widakovich (v. li.), Franz Grossauer, Lafer und Lukas Grossauer.
Er gibt nicht auf: Star-Koch Johann Lafer feierte mit Freunden ein Fest in München – trotz seiner Krebserkrankung. © API/ABR-PICTURES (2)
München – Er hat einen Traum: „Ich würde gerne das Basislager des Mount Everest im Himalaja besuchen“, erzählt Johann Lafer. Ob sich dieser Traum noch erfüllen wird, weiß der 68-jährige Starkoch nicht. Denn Lafer hat Lymphdrüsenkrebs.
Vor zweieinhalb Jahren bekam er die Diagnose – nach einer Routineuntersuchung. Zuerst versuchte er, die Krankheit mit Alternativmedizin zu bekämpfen. Erfolglos. Anfang des Jahres begann er schließlich mit einer Chemotherapie. In zehn Tagen startet Lafers sechster Zyklus. „Ich stelle mich dieser Aufgabe. Ich muss mich stellen“, erzählt der Fernsehkoch.
Die Therapie sei herausfordernd. Und sie hat Spuren hinterlassen. Das Essen, seine Leidenschaft, fällt ihm schwer. Lafer nahm 25 Kilo ab und verlor seine Haare. Trotzdem bleibt der Österreicher kämpferisch.
„Der Weg ist das Ziel. Ich kann nichts erzwingen. Ich muss mit dem Schicksal leben.“ Aufgeben will der Spitzenkoch nicht. Auch wenn sein Krebs wie eine Atombombe explodiert sei, so Lafer. „Ich habe Metastasen im ganzen Körper, da ist alles schwarz.“ Seinen Krebs heilen könne man nicht, „aber man kann ihn eindämmen“. Eine Prognose, wie viel Zeit ihm noch bleibt, will ihm kein Arzt geben. „Das ist unterschiedlich. Ich habe heute von einem gehört, der nur ein Jahr überlebt hat, andere leben noch zehn Jahre gut damit“, sagt Lafer. Er betont: „Ich bin jetzt 68 und habe schon vieles erlebt.“
Durch die Krankheit wurde ihm aber bewusst: „Man darf nichts aufschieben.“ Deshalb träumt er weiter vom Himalaja und von einer Almhütte, die Lafer bald besuchen möchte. Kraft in seiner derzeitigen Situation geben ihm seine Familie, seine Frau und seine zwei Kinder, seine Ärzte und gute Freunde. „Manche haben sich nach 30 Jahren wieder gemeldet. Das hat mich sehr gefreut.“ Auch mit Koch-Kollege Alfons Schuhbeck(77), der ebenfalls an Krebs erkrankt ist, steht Lafer in Kontakt. „Wir haben uns sehr nett geschrieben und können sehr gut reden.“
Sich austauschen, über sein Schicksal sprechen, will Lafer auch an diesem Donnerstagabend. 55 Freunde, Bekannte und Weggefährten hat er deshalb ins El Gaucho am Münchner Viktualienmarkt eingeladen. Bei einem bayerisch-steirischen Vier-Gänge-Menü, bestehend aus einem Carpaccio vom Milchkalb mit steirischen Gebirgsgarnelen, Graz-Trüffel-Velouté mit Pilzpraline, steirischem Almochsen-Filet und Macadamia-Schokoladenkuppel, erzählt der Koch von seiner Verbindung zur Gastro-Familie Grossauer, die neben dem El Gaucho in München knapp 20 weitere Restaurants und Wirtshäuser, vor allem in Österreich, betreibt. „Vor 50 Jahren habe ich im Ursprungsbetrieb der Familie Grossauer in Graz meine Kochausbildung gemacht“, so Lafer. Bis heute sei er der Familie freundschaftlich verbunden. „Deshalb haben wir gedacht, wir laden einfach mal ein paar Leute nach München ein, als Dankeschön“, sagt der Fernsehkoch.
Und viele Freunde kamen – darunter die SchauspielerinnenJutta Speidel und Michaela May, die am nächsten Tag zu einer Reise in die Arktis aufbrechen möchten, Weggefährten wie die Sterneköche Hans Haas und Mario Gamba, Bar-Legende Charles Schumann, Feinkostkönig Michael Käfer und Ex-Skistar Maria Riesch. „Ich bin sehr glücklich, dass heute so viele Leute da sind“, sagt Lafer ganz gerührt.
El-Gaucho-Erfinder Franz Grossauer nimmt seinen Freund in den Arm: „Johann, ich möchte mich bei dir bedanken. Ich wünsche dir, dass du wieder gesund wirst. Du hast so eine positive Einstellung und die ist wichtig.“ Dann bricht Grossauer in Tränen aus. Auch die anderen Gäste fühlen mit. Lafer selbst stärkt die Leute um ihn herum: „Das Wichtigste sind Menschen, die ehrlich zu einem sind und Mitgefühl zeigen. So wie ihr.“
TERESA WINTER