Insgesamt 34 Langwaffen wurden den Tiroler Schützen abgenommen. © Bundespolizei
Die Tiroler Schützen standen bei der Jubiläumsmesse im Salzburger Dom Spalier. © Erzdiözese Salzburg/Hiva Nagshi/Facebook
Bad Reichenhall – Die deutsche Bundespolizei nimmt ihre Arbeit genau, das bekamen 34 Tiroler Schützen zu spüren, als sie am Mittwoch die deutsch-österreichische Grenze bei Bad Reichenhall überquerten.
Es war eine Messe mit allem Prunk im Salzburger Dom, die die Tiroler Schützen besucht hatten. Erzbischof Franz Lackner feierte dort am Johannitag mit über 50 Priestern und Diakonen seinen 70. Geburtstag und das 35. Priesterjubiläum. Vertreter aus Gesellschaft und Politik und viele Gläubige füllten die Kathedrale. Da die Salzburger Kirchenprovinz Tirol umfasst, fuhr auch eine Abordnung von rund 200 Gebirgsschützen aus dem Bundesland zur Messe im Dom. Sie standen bei der Liturgie mit ihren Karabinern Spalier, um dem Geistlichen die Ehre zu erweisen.
Doch auf der Heimreise trafen 34 Schützen aus den Tiroler Orten Pillersee, Bad Fieberbrunn und Wörgl auf ein unvorhergesehenes Hindernis: die Grenzkontrolle der deutschen Bundespolizei. Der Tiroler Bus durfte zwar die Kontrollstelle an der B21 bei Marzoll im Berchtesgadener Land passieren. „Während der Durchfahrt fiel aber einem unserer Beamten ein gewehrähnlicher Gegenstand auf“, berichtet die Pressesprecherin der Bundespolizei, Carolin Nowag. „Unsere Beamten nahmen die Verfolgung auf.“ Nach etwa zehn Minuten wurde der Bus bei Bad Reichenhall überholt und gestoppt. Darin saßen die Schützen in ihren Uniformen, mit ihren Gewehren zwischen den Beinen oder in den Ablagen. „Bei der Kontrolle stellten die Beamten dann insgesamt 34 Karabiner der Hersteller Mauser und Mannlicher fest, von denen die Masse zugriffsbereit im Bus transportiert wurde“, heißt es im Pressebericht. Nowag erklärt: „Sie konnten sich selbst nicht ausweisen, hatten keinen europäischen Feuerwaffenpass oder eine Mitnahmerlaubnis dabei.“
Die Bundespolizisten sammelten die Waffen ein, deren Typen teils im Ersten und Zweiten Weltkrieg im Einsatz waren und scharfe Munition abfeuern könnten. „Gegen insgesamt 34 Personen wurden Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts von Verstößen gegen das Waffengesetz eingeleitet“, heißt es. In Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft Traunstein wurde Kaution in Höhe von insgesamt 6800 Euro erhoben.
Das Entsetzen bei den Schützen beiderseits der Grenze ist groß: „Festzuhalten ist, dass es bei vergleichbaren grenzüberschreitenden Ausrückungen in der Vergangenheit zu keinerlei Problemen gekommen ist – weder zuletzt beim Alpenregionstreffen in Innsbruck, bei dem rund 1000 bayerische Schützen nach Tirol reisten, noch im Jahr 2024, als rund 4000 Tiroler Schützen zum Alpenregionstreffen nach Garmisch ausrückten“, so der Tiroler Landeskommandant Thomas Saurer in einer Stellungnahme. Allerdings muss Saurer zugeben, dass seine Schützlinge teils nicht die nötigen Papiere dabei hatten oder nur als Fotos auf ihren Handys.
Der Landeshauptmann der bayerischen Gebirgsschützen, Martin Haberfellner aus Kochel, wird deutlicher: „Ich bin seit 50 Jahren dabei und habe so etwas noch nie erlebt.“ Früher habe man mit Bundeswehr und Bundespolizei gemeinsame Turniere geschossen. „Jetzt werden wir als feindliche Truppe identifiziert, das ist eine schwere Beschädigung unserer bisherigen stabilen Beziehungen.“ Der Chef der Freien Wähler, Hubert Aiwanger, sieht es ähnlich: „Das erhöht die innere Sicherheit Deutschlands nicht“, spottete er auf der Plattform „X“. Er werde die Schützen als Entschädigung zur Brotzeit einladen.
Haberfellner verweist auf ein bilaterales Abkommen von 2004, das die Mitnahme von Waffen bei Traditions- oder Sportschützenveranstaltungen im jeweiligen Ausland regelt. Darin ist allerdings der kleine Grenzverkehr von Tirol über das Deutsche Eck nach Salzburg nicht enthalten. Man darf gespannt sein, wie die Sache ausgeht. Eines scheint aber laut Nowag sicher: „Die Waffen werden den Betroffenen zeitnah wieder ausgehändigt, sobald sie ihre Papiere vorlegen können.“JOHANNES WELTE